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19. JAHRGANG - AUSGABE VOM 30. MÄRZ 2017 NACHRICHTEN  |   WETTER  |   TRAVEL  |   WEB  |   INSERATE
 
RESTAURANT-TEST / FRÜHSTÜCKSREPORT

Frühstücken in Sosúa – die Hohe Kunst des Einfachen

 
Sosúa - Sosúa hat sich über die Jahre hinweg zum Urlaubsort für Individualtouristen entwickelt. Unzählige kleine Hotels und Pensionen bieten Zimmer mit Übernachtungspreisen von 20 bis 60 Euro an - Frühstück ist allerdings nicht immer inklusive. Die Auswahl an kleineren Cafe's und Restaurants, die ein Frühstück für Jedermann anbieten, ist entsprechend groß. Die Preise liegen mit plus/minus 200 Pesos (ca. vier Euro) fast überall gleich, in der Qualität, Frische und Sauberkeit gibt es hingegen gravierende Unterschiede, genauso beim Service von wirklich freundlich bis hin zu unaufmerksam, ermüdend langsam oder gefühlt genervten Bedienungen.
Unsere Redaktion hat acht Restaurants getestet:

"Charlies" - bestes Frühstück in Sosúa *****

Wer richtig gut in Sosúa frühstücken will, kommt am "Charlies" nicht vorbei. Der eindeutige Testsieger liegt zwar etwas Abseits vom Mainstream am mittleren Ende der Pedro Clisante und gehört räumlich zum „Club Residencial“, der Weg dorthin lohnt sich aber allemal. Highlight ist "Charlies Frühstück" für 200 Pesos (rund vier Euro). Zunächst kommt ein erster Kaffee auf den Tisch (2 Tassen sind im Preis enthalten), der auf gute Laune beim Warten auf das eigentliche Frühstück einstimmt. Dann wird üppig serviert - zwei Eier auf den Punkt gebraten, eine reichhaltige Auswahl an frischer Wurst und Käse, ein eisgekühlter(!) Saft nach Wunsch, dazu ein vollgepackter Brotkorb mit frischem Weiß- und Schwarzbrot vom deutschen Bäcker um die Ecke. Allein die Johannisbeer-Marmelade für sich hätte schon einen Gourmet-Stern verdient. Dass die Qualität auf dem Teller stimmt, liegt an Charlies „Frühstücksengel“ Sami. Die agile Dominikanerin achtet penibel über jedes Frühstück und sorgt dafür, dass nichts am Tisch fehlt. Trotz des günstigen Preises setzt Chef Charlie auf Qualität: Nur beste Ware kommt auf den Tisch, selbst die Salz- und Pfefferstreuer sind importierte US-Premiumware. Hier zu frühstücken ist Wohlfühlen pur. Wenn es überhaupt etwas zu Toppen gibt, bleibt nur der Rat, den Kaffee statt aus einer Großraumkanne besser aus einem Vollautomaten frisch aufzubrühen...

Casa Valeria**** - Stilvolles Ambiente trifft Qualität

Nur knapp hintendran liegt das "Casa Valeria" in der Calle Dr. Rosen. Zum Festpreis von 200 Pesos (inkl. Steuer und Bedienung) werden neun verschiedene Frühstücksvariationen angeboten. Getestet haben wir das "El Americano", zwei Eier nach Wunsch zubereitet, serviert mit Speck, Schinken oder gegrillter Salami, Bratkartoffeln, 5 Scheiben Toast und 2 Sorten Marmelade. Dazu ein frischer, eisgekühlter Orangensaft sowie ein unübertrefflicher Kaffee aus einem Kaffeevollautomaten des Kaffeerösters "Santo Domingo" - besser geht's kaum. Der Service ist schnell und im Gegensatz zu manch anderer Lokalität aufmerksam bei der Sache. Das „Casa Valeria“ ist ein wahres Kleinod. Genauso freundlich wie die Bedienung ist das Ambiente des kleinen Restaurants. Der offene Hacienda-Style vermittelt eine wohlige Behaglichkeit, man sitzt bequem und sehr gepflegt zwischen warmen Farben und edlen dunklen Hölzern. Auch in Punkto Sauberkeit setzt das "Casa Valeria" Maßstäbe, kein Besteck und kein Salzstreuer "klebt", das Porzellan hat keine ausgeschlagenen Kanten und - wenngleich es sich auch etwas penibel anhört - es gibt keinerlei Fliegen, die während des Frühstückens permanent vom Teller oder der Marmelade verscheucht werden müssen. Kurz nach Redaktionsschluss hat das "Casa Valeria" seine klare Preisstruktur leider aufgehoben und die genannten Festpreise durch eine neue Karte ersetzt. Schade...

El Rancho**** - des Deutschen liebstes Haus

Bereits ab 7.30 Uhr lädt das "El Rancho" in der „Calle Sin Salida“ zum Frühstück ein. Sieben verschiedene Variationen listet die Karte. Getestet haben wir das "Große deutsche Frühstück" für 250 Pesos (inkl. Steuern und Bedienung). Eine Tasse Filterkaffee und ein kleines Glas Saft nach Wunsch sind inklusive. Serviert wird eine reichhaltige Wurst- und Käseplatte, ein zusätzlicher Teller mit Leberwurst und eine selbstgemachte Käse-Zwiebel-Creme, ein (leider zu hart) gekochtes Ei, zwei große, aufgebackene Baguettebrötchen sowie eine vorzügliche, hausgemachte Mango-Marmelade. Der auf der Karte stehende Honig fehlte, wurde aber auf Nachfrage kommentarlos nachgereicht. Vom Ambiente bietet das "El Rancho" ein mediterranes Styling mit viel Grün rundherum, Rattansesseln, Sitzbänken, großen und kleinen Holztischen, wobei man für das große Frühstück auf jeden Fall einen großen Tisch benötigt - serviert wird auf vier Tellern. Wer es mag, beim Frühstücken fernzusehen, hat im "El Rancho" von vielen Plätzen aus einen guten Blick auf den Fernseher. Was positiv auffällt, es gibt auf allen Tischen kleine Mülleimer, was das Handling erleichtert. Leider klebten dafür die Salzstreuer. Das Personal ist mäßig freundlich und serviert eher leidenschaftslos. So lag das Besteck z.B. falschherum und der vorab servierte Kaffee geriet in unendlich weggeschobene Ferne. Bei einem derart großen Frühstück wünschte man sich übrigens gern 2 Tassen Kaffee (jede weitere Tasse kostet 50 Pesos). Was den Kaffeegeschmack betrifft, muss man Glück haben. Je nachdem, wie lange der Kaffee bereits auf der Warmhalteplatte stand, bekommt er einen bitteren Beigeschmack. Etwas störend ist, dass sich Chef "Andy" gern lautstark mit seinen Lieferanten oder Personal „erörtet“, um nicht streitend zu sagen. Anderseits hat er alles im Blick und ist immer um jeden Gast persönlich besorgt.

New Garden**** - American Diner in Sosúa

Platz 4 geht an das nur unweit vom "Casa Valeria" entfernte Restaurant des Hotels "New Garden". Beliebt ist es vor allem bei US-amerikanischen Gästen, nicht zuletzt wegen seiner Reichhaltigkeit. Zwischen 130 und 260 Pesos (inkl. Steuer und Bedienung) werden 15 verschiedene Frühstücksvariationen angeboten. Kaffee gibt es reichlich aus einer Thermoskanne, die zusammen mit einem Kännchen Milch auf den Tisch gestellt wird. So hat man bei einer Tasse Kaffee Zeit, sich entspannt für eines der Menüs zu entscheiden. Trotz Warmhaltekanne war die Geschmacksqualität des Kaffees überraschend gut. Getestet haben wir das Frühstück Nr. 7, bestehend aus 2 Eiern die nach Wunsch zubereitet werden, Bratkartoffeln, gebratenem Speck, vier Scheiben Toast und einer Portion echter dänischer Butter. Der Koch versteht sein Handwerk, alles war auf den Punkt zubereitet, geschmacklich top und durchweg fettarm angerichtet. Das Ambiente des "New Garden" gleicht durch das angeschlossene Hotel eher einer Lobby, man sitzt angenehm luftig offen. Wer gern schlemmt, kommt also nicht so leicht ins Schwitzen. Mehrere Servicekräfte sind zudem ständig um das Wohl des Gastes besorgt. Der Service ist durchweg aufmerksam, schnell und freundlich. Einziger Nachteil des "New Garden": es wird leicht schnell laut, wenn es voll ist. Amerikaner lieben es, sich gern lautstark am Tisch zu unterhalten.

Belgische Bäckerei****

Darf es eine süße Kleinigkeit zum Frühstück sein? Ein „Café au lait“ mit einem ofenfrischen Croissant oder ein „Café crema“ mit einem Kaffeestückchen? - typisch französisch lässt es sich in der „Belgian Bakery“ frühstücken. Wer den Geruch von frischen Backwaren liebt und bei Blätterteig und Spritzgebäck ins Schwärmen gerät, kommt voll hier auf seine Kosten. Das kleine Backhaus bietet eine riesige Auswahl an süßen Kleinigkeiten, die zu einem wirklich überzeugend gutem Kaffee auf der Außenterrasse mit Blick auf die Pedro Clisante serviert werden. Das in frischem Weiß und zartem Blau gehaltene Ambiente erinnert an den Stil der ehemaligen Kolonialzeit. Vor rund 15 Jahren nahmen Schweizer Auswanderer viel Geld in die Hand und erbauten ein stilvolles Kolonialzeit-Holzhaus, das unter dem Namen „Tanjas Pastry“ (seinerzeit die beste Konditorei weit und breit) eröffnete, dann aber (leider) über viele Jahre hinweg leer stand. Wer eine Abwechslung zum täglichen Frühstücks-Einerlei aus Eiern, Schinken, Brot, Wurst und Käse-Frühstück sucht, sollte auf jeden Fall einmal hier den Tag beginnen, allein der Kaffee ist es wert...

La Costera*** - klein und fein

Klein aber fein - bereits seit Jahren gibt es das „La Costera“ an der Pedro Clisante. Früher gut besucht, waren bei unseren letzten Besuchen eher weniger „Frühstücker“ zu Gast. Um die außen angebrachte Menükarte lesen zu können, steht man fast schon im Restaurant, was eine gewisse Hemmschwelle bedeutet, da man während des Lesens bereits die musternden Blicke der Bedienung spürt. Dennoch, die gemütlich kleine Terrasse lädt ein zum Verweilen. Beim Hinsetzen kam ein kurzes Rufen der Bedienung aus dem Hintergrund: „Deutsch?“ und weniger später folgte die sprachlich passende Frühstückskarte. Leider überzeugte uns das ausgewählte Frühstück nicht wirklich. Die Brötchen wirkten billig eingekauft und die servierte Wurst machte ebenfalls keinen leckeren Eindruck. Schade. Das Frühstück ist mit reichlich Aufschnitt, Ei, Kaffee und Saft aber auf jeden Fall groß genug, um gut in den Tag zu starten.

News Cafe** - ehemaliges Internetcafe überzeugt nicht

Wenngleich das "News Cafe" nur die Straßenseite vom „Charlies“ trennt, liegen zwischen den beiden Frückstücksrestaurants Welten. Bereits die Bedienung fühlt sich bei der Aufnahme der Bestellung genervt und läuft - währenddessen man mitteilen möchte, was man gern zum Frühstücken hätte - weg, sodass man kaum weiß ob sie verstanden hat, was man will oder eben nicht. Dennoch kam zunächst ein recht ordentlicher Kaffee nach dominikanischer Machart (aus dem Espressokocher) auf den Tisch. Zwei Tassen sind je Menü inklusive, ein Glas verdünnter Orangensaft aus der Tüte ebenso (allerdings nur auf Nachfrage). Der Rest dauert - 20 Minuten mindestens. Dem Ambiente des ehemaligen Internetcafes fehlt leider jede individuelle Note. Ein paar verwitterte Fahnen an der Decke, ein zusammengewürfeltes Mobiliar, dafür aber alles luftig offen. An den riesigen Viertischen sitzt man leider recht unbehaglich. Die Armlehnen kleben von was auch immer – so löste sich an unseren Stühlen z.B. die grüne Farbe vom Metall und klebte sich am Arm fest. Wer ein Sauberkeitsfanatiker ist, sollte allenfalls nicht zu genau hinsehen... Der Gäste-Mix aus US-Amerikaner, Kanadiern und dominikanischen Mädchen besteht überwiegend aus diversen Tingeltangel-Bekanntschaften, die die Nacht bis zum Frühstück „überlebten“ – während des Wartens auf's Frühstück ein amüsanter Anblick, aber dennoch unangenehm, da viele Girls ununterbrochen husten und wo immer möglich, gern die Servietten von den Nachbartischen einkassieren. Das gefühlt endlos lange Warten wurde leider nicht belohnt: Obwohl recht reichhaltig, überzeugte das servierte Frühstück „“ für 200 Pesos überhaupt nicht. Wabbelige Eier, lasches Brot, Billig-Belag. Ein Bemühen um Qualität ist im News Cafe nur schwer erkennbar. Was uns überhaupt nicht gefiel: An den Tischen gibt es jede Menge Fliegen. Nicht nur, das diese schneller als das Frühstück selbst am Tisch sind, das massive Auftreten und penetrante „Gesumme“ am und auf dem Teller stört das Frühstücksvergnügen doch erheblich...

Sinatras (ehemaliges P.J.) *- einst Top, jetzt Flopp

Das ehemalige "P.J.", das im Herzen Sosúa's bis heute in jedem Reiseführer unter diesem Namen zu finden ist, nennt sich heute "Sinatra's" und wirbt mit einem großen Banner für ein "Kontinentales Frühstück" bis 11 Uhr für 160 Pesos. Also ausprobieren. Der erste Eindruck: Die vom Kellner überreichte Speisekarte klebte furchtbar vor Dreck. Eigentlich wollten wir ohnehin nur das "Aktionsfrühstück", aber bei einem Blick in die Speisekarte fiel auf, dass man bereits ab 150 Pesos (bei gleicher Menü-Zusammenstellung und dafür sogar noch Käse bekommt) frühstücken kann. Es dauerte fast 25 Minuten bis endlich das Frühstück serviert wurde. Die Zusammenstellung auf dem Teller sah appetitlicher aus, als sie es dann geschmacklich war. Die Eier waren wabbelig-glitschig, der quadratische Formschinken billigster dominikanischer Machart zur Geschmacksverstärkung leicht in Öl angebraten und die offenbar mehr zu Deko servierten, aufgeschnittenen Tomaten war alt und schmeckten fad. Einen unangenehm künstlichen Geschmack hatte vor allem die servierte salzige Margarine. Zusammen mit der in einem Plastikbecher servierten, fast flüssigen Erdbeermarmelade (wenn man dies überhaupt als Marmelade denn als flüssiges Gelee bezeichnen kann) ein "NoGo". Einzig die zwei servierten Melonenscheiben sowie eine halbe Scheibe Ananas gaben dem Frühstück etwas an Frische. Insgesamt waren wir von diesem Frühstück sehr enttäuscht. Obendrein kostete das Aktionsangebot dann auch nicht 160 Pesos, sondern 188 Pesos, was daran lag, dass man noch schnell Steuern und Bedienung hinzurechnete und darauf verwies, das dieses so in der Speisekarte stehe. Übrigens ein beliebter Trick, um Gästen einen günstigen Preis vorzugaukeln.

Wo wir überall waren: Getestet haben wir das "Casa Valeria", "New Garden", "News Cafe", "Sinatra", "Bäckerei Moser", "La Costera", "El Rancho", "El Conde" und Charlies.



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