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DOMINIKANER IM UKRAINE-KRIEG

Russlands Kriegsrekrutierung reicht bis in die DomRep

Santo Domingo · 24. Oktober 2026 · tpj

Dominikaner im russischen Kriegsdienst: Außenminister Víctor „Ito“ Bisonó sucht diplomatische Wege für ihre Rückkehr.
Mit verlockenden „Arbeitsangeboten“ sollen zahlreiche Dominikaner nach Russland gelockt und dort für den Krieg gegen die Ukraine rekrutiert worden sein.

Während Angehörige von Täuschung über die gefährliche Situation an der Front berichten, sieht es Russland als „freiwillige vertragliche Vereinbarung“ an, die mittels sogenannter Militärverträge zwischen Dominikanern und der russischen Armee geschlossen wurden und erschweren einen „Austritt“. Doch die verzweifelten Hilferufe von Dominikanern in russischen Uniformen werden immer lauter. Selbst Präsident Luis Abinader wurde um Hilfe gebeten.

Und die Hilferufe – meist über die sozialen Netzwerke direkt aus Russland – zeigen Wirkung. Inzwischen versucht die dominikanische Regierung, ihren Landsleuten aus der gefährlichen Situation zu helfen. Von Einzelfällen kann längst keine Rede mehr sein. Nach dem Bekanntwerden von zwei Hilferufen aus Russland berichten immer mehr dominikanische Familien von Angehörigen, die mit vermeintlich lukrativen Stellenangeboten nach Russland gereist sind und sich plötzlich in militärischen Ausbildungslagern wiederfanden. Gesucht wurden angeblich Schweißer, Mechaniker, Elektriker oder Fahrer.

Die Jobangebote verbreiteten sich unter anderem über soziale Netzwerke. Eines davon erreichte auch José Miguel García Gil (37) aus Santiago – offenbar über TikTok. Ein Job als Schweißer und Mechaniker im Ausland sollte der Beginn eines besseren Lebens werden, dazu kostenlose Reise, Unterkunft und Unterstützung bei den Papieren. Am 27. Juli verließ der Familienvater die Dominikanische Republik. Ein Foto, das er seiner Frau schickte, zeigt ihn in russischer Militäruniform. Seit Wochen hat seine Familie keinen Kontakt mehr zu ihm. Seine Frau und die beiden kleinen Kinder wissen nicht, wo er sich befindet und ob er noch lebt.

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Ähnlich erging es offenbar dem 52-jährigen Jesús Campusano aus Bajos de Haina. Ihm war nach Angaben seiner Familie eine gut bezahlte Stelle als Schweißer in Russland angeboten worden. Nach seiner Ankunft Ende Juli in der Stadt Kasan soll ihm jedoch der Reisepass abgenommen worden sein. Statt Werkzeug erhielt er eine Militäruniform. Seine Schwester berichtete der Nachrichtenagentur AFP, dass Campusano zunächst erklärt worden sei, er werde für den Polizeidienst ausgebildet. Später habe er erfahren, dass er an die Front geschickt werden sollte.

Auch andere Familien schildern ähnliche Erfahrungen. Manche Betroffene sollen Verträge unterschrieben haben, deren Inhalt sie nicht verstanden. Angehörige berichten außerdem von eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten, schlechten Bedingungen und Misshandlungen. Nicht alle diese Vorwürfe konnten bislang unabhängig überprüft werden.

Wie gefährlich der Einsatz im russischen Militär ist, zeigt das Schicksal von Juan Carlos Avila Espaillat (28) aus Higüey. Der frühere Sicherheitsmitarbeiter reiste im August nach Russland und unterzeichnete dort am 16. August einen einjährigen Militärvertrag. Über soziale Netzwerke berichtete er wiederholt von seinen Erlebnissen. Mitte Oktober postete er dann einen dramatischen Hilferuf an Präsident Luis Abinader. Er berichtete, vier Schussverletzungen erlitten zu haben. Außerdem sei er von einem Drohnenangriff getroffen worden, bei dem er sich Knochenbrüche an einem Bein und am linken Knöchel zuzog. Zudem hatte ein Schuss in den Rücken seinen Körper durchdrungen. Trotz seiner schweren Verletzungen fürchtete er, erneut in den Kampf geschickt zu werden. – Wir hatten den Fall in unseren Kurznachrichten bereits geschildert.

Seine Mutter versucht seither, über die dominikanischen Behörden und diplomatische Vertretungen seine Rückkehr zu erreichen. Das Problem sind die – nach offiziellen Angaben freiwillig unterzeichneten – Militärverträge, mit denen Ausländer zum Dienst in den russischen Streitkräften verpflichtet werden. Diese sind ebenfalls in spanischer Sprache verfasst, so dass man von einem „Missverständnis“ oder einer „Täuschung“ nicht sprechen kann. Allerdings, ob sie über die tatsächlichen Bedingungen getäuscht wurden, ist nicht abschließend geklärt.

Fest steht jedoch, dass inzwischen mehrere Dominikaner ihre Heimkehr erreichen wollen. Doch wie viele Dominikaner kämpfen überhaupt für Russland? Die genaue Zahl ist unbekannt. Anfang Oktober hatte das dominikanische Außenministerium zunächst zwanzig Fälle registriert. Am 22. Oktober erklärte Außenminister Víctor „Ito“ Bisonó, inzwischen seien der Regierung mehr als dreißig Fälle bekannt.

Menschenrechtsorganisationen gehen von wesentlich höheren Zahlen aus. Das dominikanische Komitee für Menschenrechte sprach zeitweise von mehr als 200 Personen, die seit Mai nach Russland gereist sein sollen. Darunter sollen sich auch Männer befinden, die sich bewusst zum Militärdienst verpflichteten. Die Angaben der Organisation sind bislang nicht unabhängig bestätigt.

Damit ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Nicht jeder Dominikaner in russischer Uniform wurde zwangsläufig getäuscht. Während einige offenbar freiwillig Militärverträge unterschrieben, behaupten andere, unter falschen Voraussetzungen angeworben worden zu sein.

Militärverträge erschweren die Rückkehr

Genau darin liegt das größte Problem für die dominikanischen Behörden. Nach Angaben des Außenministeriums haben die Betroffenen individuelle Verträge mit den russischen Streitkräften unterzeichnet, teilweise für die Dauer eines Jahres. Die russische Seite erklärt, dass die Verträge immer auf Spanisch und Russisch vorliegen und rechtliche Verpflichtungen begründen. Die dominikanische Regierung bezeichnet die Unterschriften ebenfalls als freiwillig, lässt aber inzwischen die Umstände und die rechtlichen Möglichkeiten einer Rückkehr prüfen.

Angehörige bestreiten allerdings, dass alle Betroffenen wussten, worauf sie sich einließen. Entscheidend dürfte daher sein, unter welchen Umständen die Unterschriften zustande kamen und ob Täuschung oder Zwang nachgewiesen werden können.

Der russische Botschafter in Santo Domingo, Alexey Victorovich Seredin, erklärte, die von dominikanischer Seite übermittelten Unterlagen seien zur Prüfung nach Moskau weitergeleitet worden. Er erklärte ausdrücklich, dass untersucht werden müsse, ob sich die Männer freiwillig verpflichtet hätten oder getäuscht worden seien – ein erster Hoffnungsschimmer für die Betroffenen.

Präsident Luis Abinader hat die Angelegenheit inzwischen zur Chefsache erklärt. Außenminister Bisonó sprach bereits im. September bei der UN-Generalversammlung in New York mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow über die Situation. Inzwischen hat Santo Domingo auch juristische Unterstützung in Russland organisiert. Russische Anwälte sollen die Militärverträge untersuchen und nach Möglichkeiten suchen, die Betroffenen aus ihren Verpflichtungen zu lösen.

Zusätzlich kündigte das dominikanische Außenministerium die Entsendung einer Delegation nach Moskau an. Unter Leitung von Vizeminister Opinio Díaz Vargas sollen Gespräche mit russischen Behörden geführt und Möglichkeiten einer Rückkehr ausgelotet werden.

Ob und wann die Betroffenen in ihre Heimat zurückkehren können, bleibt offen. Für die Familien in der Dominikanischen Republik geht es längst nicht mehr um lukrative Arbeitsangebote oder unterschriebene Verträge. Sie wollen nur eines: ihre Männer, Söhne und Väter lebend wiedersehen.

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