Regierung sucht den Dialog mit Wirtschaft und Handel über stabile Verbraucherpreise
Santo Domingo, 06.04.2026 – (tpj) – Dominikanische Republik

Um wirtschaftspolitisch weiterhin ein sicheren Kurs zu halten, hat Präsident Luis Abinader jetzt seine Minister, Vertreter aus der Wirtschaft, dem Handel, der Agrarwirtschaft und gesellschaftliche Gruppen an einen Tisch geholt, um aus dem Nahost-Konflikt kein dominikanisches Preisproblem werden zu lassen.
Das Ziel: Gemeinsam soll verhindert werden, dass Versorgung und Preisauftrieb nicht zu größeren Belastungen für die Bevölkerung führen. Die Regierung reagiert damit auf einen klassischen Mechanismus offener Volkswirtschaften. Wenn Energie weltweit teurer wird, steigen in der Regel auch die Fertigungs- und Logistikkosten – und damit häufig auch die Verbraucherpreise. Genau diesen Effekt will die Regierung kompensieren und die Preise für Lebensmittel, Produkte und grundlegende Dienstleistungen stabil halten.
Bemerkenswert ist dabei vor allem eine Botschaft aus dem Nationalpalast: Aus Sicht des Marktes gibt es derzeit keinen zwingenden Grund für starke Preissprünge bei Lebensmitteln. Grundnahrungsmittel seien bislang nicht nennenswert teurer geworden, nur bei einzelnen Exportprodukten gebe es leichte Ausschläge. Dabei hilft dem Land ein struktureller Vorteil, über den in solchen Krisen oft zu wenig gesprochen wird. Die überwiegend autarke dominikanische Landwirtschaft federt externe Schocks größtenteils ab. Laut dem Landwirtschaftsministerium stammen mehr als 85 Prozent der Lebensmittel des Warenkorbs aus lokaler Produktion. Das ist per se kein Freifahrtschein gegen Inflation, bedeutet aber, dass internationale Verwerfungen nicht automatisch und ungebremst auf jeden Teller durchschlagen müssen.
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Ganz ohne staatlichen Kraftakt geht es trotzdem nicht. So stellte die Regierung bereits für die laufende Woche eigenen Angaben zufolge 1,912 Milliarden Pesos bereit, um die Preise für Benzin, Diesel und Flüssiggas an den Tankstellen stabil zu halten. Die Botschaft dahinter ist klar: Preisstabilität soll nicht dem Markt allein überlassen werden. Sie wird politisch organisiert – und finanziell erkauft. Das schützt zwar kurzfristig die Haushalte, erhöht aber zugleich den Druck auf den Staat, die Lage nicht nur zu moderieren, sondern auch dauerhaft beherrschbar zu halten.
Die Dialoge wirken im Moment wie ein Versuch, Zeit zu gewinnen: Zeit gegen Nervosität, gegen Spekulation und gegen vorschnelle Preisaufschläge. Wirtschaft und Handel haben zugesagt, mögliche Anpassungen mit der Regierung zu koordinieren. In zwei Wochen soll erneut Bilanz gezogen werden.
Unsere Meinung: Ob sich aus dem Dialog mit der Wirtschaft und dem Handel ein tragfähiger wirtschaftspolitischer Kurs gegen die Teuerung entwickelt, entscheidet sich nicht durch Lippenbekenntnisse der Akteure, sondern im Supermarkt, an den Tankstellen – und damit letztlich im Portemonnaie der Bevölkerung.
