Stauseen nähern sich der Kapazitätsgrenze
Puerto Plata, 04.05.2026 – (tpj) – Dominikanische Republik

Was für die Trinkwasserversorgung der Haushalte, die Bewässerung der Landwirtschaft und die Versorgungssicherheit bei der Stromerzeugung zunächst eine gute Nachricht ist, versetzt den Katastrophenschutz zugleich in erhöhte Aufmerksamkeit.
Stauseen sind mehr als bloße Wasserspeicher, sie müssen bei Starkregen auch zusätzliche Wassermassen aufnehmen können. Genau hier verschiebt sich Nachricht: Was für die Wasserversorgung zunächst beruhigend klingt, kann für die Betreiber der Talsperren schnell zur heiklen Abwägung werden. Sind die Becken bereits stark angefüllt, können weitere Regenfälle dazu führen, dass kontrolliert Wasser abgelassen werden muss. Ein kniffliges Risikomanagement. Einerseits darf Wasser nicht vorschnell abgelassen werden, weil es in trockeneren Jahreszeiten für die Versorgungssicherheit gebraucht wird. Andererseits dürfen sich die Becken nicht bis an ihre Grenzwerte füllen, solange noch weitere Regenfälle möglich sind – und genau darin liegt die eigentliche Herausforderung.
Die Zahlen zeigen, wie stark sich die Lage binnen weniger Wochen verändert hat. Der Wasserstand des Tavera-Bao-Systems legte innerhalb eines Monats um 8,64 Meter zu und erreichte ein Volumen von 99,82 Millionen Kubikmetern. Monción stieg sogar um 10,94 Meter, der Stausee Sabaneta um 10,21 Meter. Auch Sabana Yegua, Hatillo, Valdesia und Rincón verzeichneten deutliche Zuwächse.
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Kontrollierte Wasserablässe sind im kritischen Pegelbereich von Stauseen technisch notwendig, um Schäden an den Staumauern zu verhindern. Für Menschen in tiefer gelegenen Gebieten können sie jedoch gefährlich werden. Wie sensibel dieses Thema ist, zeigt der Blick zurück auf die Tavera-Talsperre (Foto). Vielen Anwohnern im Cibao-Tal ist noch die Notentlastung der Talsperre aus dem Jahr 2007 in bitterer Erinnerung, Damals brachten die heftigen Regenfälle durch Tropensturm „Olga“ die Talsperre derart unter Druck, dass immense Wassermengen abgelassen werden mussten. Entlang des Flusses „Yaque del Norte“ kam es zu schweren Überschwemmungen, bei denen Dutzende Menschen ihr Leben verloren.
Aktuell ist die Lage noch überschaubar. Doch sie erinnert daran, warum hohe Pegelstände an Stauseen immer auch als Warnung verstanden werden müssen. Die Gefahr liegt nicht allein im Regen selbst, sondern in der Kombination aus gesättigten Böden, vollen Flussläufen, engen Schluchten, schlecht entwässerten Städten und Stauseen, die bei weiterem Zufluss aktiv gesteuert werden müssen. Besonders gefährdet sind Gemeinden entlang von Flüssen, Bächen und Abflusskanälen, vor allem dort, wo Wasserstände innerhalb kurzer Zeit stark steigen können.
Das Katastrophenschutzzentrum COE hatte in den vergangenen Tagen wiederholt vor möglichen Überschwemmungen, anschwellenden Flüssen und Erdrutschen gewarnt. Für die Region Valverde wurde gestern eine grüne Warnstufe ausgesprochen, ausdrücklich mit Blick auf Gemeinden vom Gegenbecken der Monción-Talsperre bis zur Einmündung in den Yaque del Norte. Auch wenn sich die Wetterlage zuletzt stabilisiert hat, bleibt das hydrologische Risiko damit ein Thema – und ein Warnsignal. Denn in einem Land, in dem sich Wetterlagen schnell ändern können, entscheidet nicht allein die Menge des Wassers über Sicherheit, sondern der richtige Umgang damit.
