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STEUERBÜROKRATIE

Steuerchef der DGII gibt zu: Kaum einer blickt noch durch

Santo Domingo, 21.05.2026  –  (tpj)  –  Dominikanische Republik

DomRep - Steuerchef der DGII gibt zu: Kaum einer blickt noch durch
Es ist ein bemerkenswertes Eingeständnis – und es kommt ausgerechnet von jener Behörde, die für die Erhebung und Kontrolle der Steuern zuständig ist. Die „Dirección General de Impuestos Internos“ (DGII) räumt ein, dass das dominikanische Firmen-Steuersystem so kompliziert geworden sei, dass viele Unternehmen kaum noch durchblicken.

Bei einer Tagung der dominikanischen Wirtschaftsorganisation ONEC (Organización Nacional de Empresas Comerciales) fand DGII-Behördenchef Pedro Urrutia ungewöhnlich klare Worte: Die korrekte Erfüllung aller steuerlichen Pflichten nach dem Código Tributario sei „schwierig bis fast unmöglich“.

Hinter dieser Aussage steckt mehr als nur Behördenkritik. Sie beschreibt ein Grundproblem des Código Tributario, des dominikanischen Steuergesetzbuches auf Grundlage des Ley No. 11-92, das Steuern, Verfahren und Sanktionen regelt. Es gilt vor allem aus Sicht von kleinen Betrieben und Selbstständigen als kaum noch beherrschbar. Wer ehrlich seine Steuern zahlen will, muss sich durch ein Geflecht aus Formularen, Fristen, Nachweisen und digitalen Anforderungen kämpfen.

Die Worte des obersten Steuerchefs stießen bei den teilnehmenden Wirtschaftsführern auf offene Ohren. Kaum einer blickt noch durch. Steuerzahler können mit mehr als 150 Anforderungen konfrontiert sein, um überhaupt auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Für große Unternehmen mit eigener Buchhaltung ist das zwar meist kein Problem, aber lästig. Für kleine Betriebe oder Selbstständige kann es hingegen zur Überforderung werden.

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Die Steuerbehörde will daher das 2019 eingeführte vereinfachte Steuerverfahren „Régimen Simplificado de Tributación“ (RST) überarbeiten. Das RST-Verfahren gilt vor allem für kleinere Steuerzahler und reduziert die monatlichen Meldungen an die DGII, etwa bei der ISR (Einkommen-/Ertragsteuer) und der ITBIS (Umsatzsteuer).

Gleichzeitig will die DGII das sogenannte „Scoring Tributario“ wieder stärker einsetzen. Dabei bewertet die Behörde, wie zuverlässig Steuerzahler ihren Pflichten nachkommen. Was offiziell nach moderner Verwaltung klingt, hat zwei Seiten: Einerseits könnten regelkonforme Steuerzahler schneller als verlässlich eingestuft werden. Wer bei Angaben, Fristen oder Formularen Fehler macht, gerät womöglich schneller ins Visier der Steuerprüfer.

Die Botschaft ist deshalb zweigeteilt: Einerseits erkennt die DGII an, dass das System viele überfordert. Doch sie will es nicht nur vereinfachen, sondern auch einen genaueren Blick auf die Buchhaltung von Firmen werfen. Es wird sich zeigen müssen, ob daraus wirklich weniger Bürokratie entsteht oder ob nur ein neues digitales Raster über ein altes Problem gelegt wird.

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