ARCHIVSUCHE

Stichwortsuche:

Durchsuchen Sie unser Archiv nach einem Such­begriff oder #Hashtag:

x

 in Überschriften


x

 im Artikeltext

- WERBUNG -

STEUERN UND KRISENPLAN

„Anti-Krisengesetz“ in Kraft – Steuerentlastungen greifen ab 2027

Santo Domingo, 20.06.2026  –  (tpj)  –  Dominikanische Republik

DomRep - „Anti-Krisengesetz“ in Kraft – Steuerentlastungen kommen
Das kürzlich vom Senat gebilligte „Anti-Krisengesetz“ (wir berichteten) ist in Kraft getreten. Präsident Luis Abinader hat das Gesetz Nr. 30-26 offiziell als „Ley Anticrisis“ promulgiert. Es soll vor allem die Folgen internationaler Krisen abfedern, die Staatsfinanzen stabilisieren sowie Steuervereinfachungen bringen und soziale Programme der Regierung absichern.

Tatsächlich beinhaltet es auch ein neues Steuerpaket, das kleinere Unternehmen und mittlere Einkommen entlastet, während es große Steuerzahler, Finanztransaktionen und einzelne Konsumbereiche stärker belastet.

Ein Teil der neuen Regeln gilt bereits. Für viele Arbeitnehmer werden die zentralen Entlastungen aber erst ab Januar 2027 spürbar, wenn vor allem drei Maßnahmen greifen: die Anpassung des steuerfreien Mindestbetrags bei der Einkommensteuer „Impuesto sobre la Renta“ (ISR), höhere Abzugsmöglichkeiten für Bildungsausgaben und ein besonderer Steuervorteil bei Ausgaben für Menschen mit Behinderung, Autismus oder neuroentwicklungsbedingten Störungen.

Einkommensteuer:

- WERBUNG -

Der wichtigste Punkt betrifft die Einkommensteuer. Der steuerfreie Mindestbetrag steigt ab 2027 von bislang 34.685 Peso auf 39.900 Peso im Monat. Wer bis zu diesem Betrag verdient, bleibt bei der ISR steuerfrei. Nach Angaben der Regierung entspricht die neue Grenze ungefähr den Kosten des Warenkorbs im zweiten Einkommensquintil. Politisch ist das ein sensibles Signal: Die Schwelle war seit rund einem Jahrzehnt nicht ausreichend angepasst worden, obwohl die Lebenshaltungskosten deutlich gestiegen sind.

Bildungsausgaben:

Privatpersonen sollen künftig 30 statt bisher 25 Prozent bestimmter Bildungsausgaben steuerlich geltend machen können. Das senkt die Grundlage für die Einkommensteuer – und kann Familien mit Kindern in Schule oder Studium spürbar helfen. Aber: Der Vorteil greift nur dort, wo überhaupt genug steuerpflichtiges Einkommen vorhanden ist, um den Abzug nutzen zu können.

Bei besonderen Belastungen geht die Regelung noch weiter. Werden Bildungsausgaben für Menschen mit Behinderung, Autismus oder neuroentwicklungsbedingten Störungen geltend gemacht, kann der steuerliche Abzug auf bis zu 50 Prozent steigen. Die Regierung präsentiert diesen Teil des Gesetzes als soziale Komponente des Pakets, als gezielte Unterstützung für Haushalte, die ohnehin höhere Kosten tragen.

Entlastung kleiner Unternehmen:

Für Kleinunternehmen kommen spürbare Entlastungen sofort: Dazu gehört die Befreiung bei den steuerlichen Vorauszahlungen. Kleinstunternehmen werden komplett von den sogenannten „Anticipos“ befreit, kleine Firmen müssen nicht mehr zwölf, sondern nur noch drei Vorauszahlungen im Jahr leisten. .

Für viele kleine Betriebe ist das der wichtigste Teil des Gesetzes. Denn Kleinstunternehmen machen laut Regierung den Großteil der Firmen aus, die 2025 Einkommensteuer erklärten. Heißt: weniger Steuerdruck, mehr Geld in der Kasse, mehr Chancen zum Durchhalten. Besonders bitter waren die Vorauszahlungen für Betriebe mit schwankenden Einnahmen – weil der Staat schon kassierte, bevor überhaupt klar war, ob am Ende genug Gewinn übrig bleibt.

Von den Vorauszahlungen ausgenommen wird auch der Agrarsektor. Zudem müssen landwirtschaftliche Vermögenswerte ebenfalls nicht mehr versteuert werden.

Wegfall veralteter Abgaben:

Auch alte Steuer-Zöpfe werden abgeschnitten. Das Gesetz streicht mehrere Abgaben, die längst als überholt gelten. Dazu zählt die Hypothekensteuer, die bisher bei Immobilienfinanzierungen fällig wurde. Ihr Wegfall soll Wohnkredite günstiger machen und den Kauf einer Immobilie erleichtern. Ebenfalls gestrichen wird eine Steuer aus dem Jahr 1935: die Abgabe auf Streichhölzer. Auch die Pflicht zu Stempelmarken bei bestimmten Dokumenten und Amtsvorgängen fällt weg. Die Regierung verspricht: weniger Bürokratie, einfachere Verfahren, modernere Verwaltung.

Unternehmensgründungen:

Auch Unternehmensgründer sollen es leichter haben. Das neue Gesetz streicht Abgaben, die bisher bei der Gründung neuer Firmen anfielen. Heißt: weniger Kosten beim Start, weniger Hürden für neue Betriebe, mehr Anreiz, sich offiziell registrieren zu lassen. Ebenfalls abgeschafft wird die Sondersteuer auf Lebensversicherungen. Dadurch sollen Policen günstiger werden – und mehr Menschen die Chance bekommen, sich privat finanziell abzusichern.

Wo wird es teuer?

Große Unternehmen mit Jahreseinnahmen ab einer Milliarde Peso müssen für die Steuerjahre 2026, 2027 und 2028 vorübergehend 30 Prozent ihrer steuerpflichtigen Gewinne zahlen. Der normale Satz liegt bei 27 Prozent. Betroffen ist nach Regierungsangaben weniger als ein Prozent der Unternehmen, allerdings eine Gruppe mit erheblichem wirtschaftlichem Gewicht. Ab 2029 soll wieder der reguläre Satz gelten.

Auch Bankgeschäfte werden etwas teurer. Die Steuer auf Schecks und elektronische Überweisungen steigt von 0,15 auf 0,20 Prozent. Hinzu kommen neue oder höhere Abgaben auf E-Zigaretten und Vapes, Glücksspielbetriebe sowie Flugtickets.

Teurer wird es auch für Urlauber! Bei Flugtickets soll der Ausreiseanteil um zehn US-Dollar steigen. Heißt: Wer nach dem Urlaub wieder ausreist, muss künftig mit höheren Ticketkosten rechnen. Für Touristen dürfte das vor allem bei der Flugbuchung spürbar werden.

Wie wird es finanziert?

Die Regierung rechnet mit zusätzlichen Einnahmen von 40 bis 50 Milliarden Peso. Heißt: Das „Anti-Krisengesetz“ soll sich durch mehr Geld in der Staatskasse selbst tragen. Doch genau hier liegt der politische Zündstoff. Zwar bringt das Gesetz echte Entlastungen für Arbeitnehmer, Familien, kleine Betriebe und den Agrarsektor. Gleichzeitig will der Staat in Krisenzeiten aber deutlich mehr einnehmen. Helfen soll dabei auch ein härteres Vorgehen gegen Steuerhinterziehung. Die entscheidende Frage wird deshalb erst ab 2027 beantwortet: Kommt die Entlastung bei der Bevölkerung an – oder wird sie an anderer Stelle durch höhere Kosten wieder aufgezehrt?

Weitere Artikel nach Schlagwörtern:


Bevölkerung

Bildung

Bürokratie

Dollar

Einkommen

Finanzierung

Geld

Gesetz

Haushalt

ISR

Kinder

Luis Abinader

Peso

Präsident

Regierung

Schule

Sozial

Steuer

Urlaub

Verfahren

Versicherung

Verwaltung

Wirtschaft