Punta Cana stößt an seine Grenzen
Punta Cana / Bavaró, 03.09.2026 – (tpj) – Dominikanische Republik

Vor gut fünfzig Jahren war kaum vorstellbar, was einmal aus Punta Cana werden würde. Wo heute kilometerlange Hotelanlagen, Apartmenthäuser, Einkaufszentren und Restaurants stehen, bestimmten einst Zuckerrohrfelder, Natur und einige kleine Siedlungen das Bild. Die Gegend war auf dem Landweg nur schwer erreichbar. Ende der 1960er Jahre begannen der junge dominikanische Unternehmer Frank Rainieri und der New Yorker Anwalt Theodore Kheel mit der Idee, hier ein Urlaubsziel aufzubauen. Was zunächst mit wenigen einfachen Unterkünften begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem der größten touristischen Projekte der Karibik.
Der entscheidende Schub kam Anfang der 1980er Jahre. Internationale Hotelunternehmen entdeckten die kilometerlangen Strände der Ostküste, weitere Resorts entstanden und Punta Cana bekam einen eigenen Flughafen. Was anfangs eine einfache Landebahn mit einem kleinen Tower war, entwickelte sich zu einem internationalen Drehkreuz. Allein 2025 wurden am Flughafen Punta Cana mehr als elf Millionen Passagierbewegungen gezählt. Heute entfällt nach Regierungsangaben fast 60 Prozent des dominikanischen Flugpassagieraufkommens auf die Region. Von Deutschland aus fliegt Condor fast täglich Urlauber in rund neuneinhalb Stunden nach Punta Cana.
Punta Cana wurde damit zu einer wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte, wie sie die Dominikanische Republik zuvor kaum erlebt hatte. Neue Hotels schufen Arbeitsplätze, Straßen wurden gebaut, internationale Investoren kamen. Aus dem Feriengebiet entstand gleichzeitig eine Stadt. Und genau hier beginnt die andere Seite des Erfolgs.
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Mit dieser Entwicklung konnte die Infrastruktur vielerorts nicht mithalten. In Verón treffen neue Apartmentkomplexe auf enge Straßen, unbefestigte Nebenwege und Gewerbegebiete. Staus gehören inzwischen zum Alltag. Vor allem bei den Nebenstraßen besteht erheblicher Ausbaubedarf. Gleichzeitig liegen Wohngebiete teilweise unmittelbar neben Betonwerken, Tankstellen oder Industrieanlagen – ein sichtbares Ergebnis fehlender Regeln für die Nutzung des Bodens.
Auch Frank Rainieri, einer der Väter des Erfolgsmodells Punta Cana, schlug im Frühjahr Alarm. Das Immobilien- und Tourismuswachstum ohne verbindliche Raumordnung sei inzwischen „nicht nachhaltig“. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen große Wohn- und Ferienprojekte in Gegenden, in denen Straßen, Abwasserentsorgung oder andere grundlegende Infrastruktur fehlen. Die Einwohner seien diejenigen, die anschließend mit den Folgen des ungeordneten Wachstums leben müssten.
Besonders deutlich wird der Nachholbedarf beim Wasser und Abwasser. Erst jetzt soll ein umfassendes Wasser- und Abwassersystem für Verón–Punta Cana entstehen. Das Projekt mit einem geplanten Investitionsvolumen von rund 400 Millionen US-Dollar umfasst einen neuen Aquädukt, Kanalisation und Abwasseraufbereitung. Ende August befand sich das Vorhaben noch in der Vorbereitung der Ausschreibung.
Und nun sagt auch Tourismusminister David Collado offen, was lange sichtbar war. Die Raumordnung von Bávaro–Punta Cana werde schwierig, weil man damit eigentlich zu spät beginne. Der Urlaubsort sei „zu schnell gewachsen“, inzwischen träfen dort zahlreiche wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen aufeinander. Trotzdem müsse jetzt gehandelt werden, damit das wichtigste Feriengebiet des Landes langfristig funktionsfähig bleibe.
Ein neuer „Plan de Ordenamiento Territorial“ (Raumordnungsplan) soll deshalb festlegen, wo künftig gebaut werden darf und wo nicht. Er soll Wohn-, Gewerbe- und Tourismusflächen voneinander abgrenzen, wertvolle Naturgebiete schützen und gleichzeitig bestimmen, wo der Staat Straßen und andere öffentliche Infrastruktur ausbauen muss. Der Entwurf wird derzeit mit Unternehmern, Projektentwicklern, Transportverbänden und Einwohnern diskutiert.
Das dürfte nicht einfach werden. Wo Grundstücke inzwischen Millionenwerte besitzen und Investoren bereits konkrete Projekte planen, kann eine neue Baugrenze erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Collado spricht deshalb von vielen unterschiedlichen Interessen, die inzwischen miteinander in Einklang gebracht werden müssen. Dennoch sieht die Regierung keine Alternative: Das Wachstum soll weitergehen – künftig aber nach Regeln.
Punta Cana ist damit keineswegs ein gescheitertes Tourismusmodell. Das Gegenteil ist der Fall. Kaum ein anderer Ort steht so sehr für den touristischen Aufstieg der Dominikanischen Republik. Das Problem ist vielmehr, dass der Erfolg schneller kam als die Planung. Aus einem Feriengebiet wurde innerhalb weniger Jahrzehnte eine Stadt, ohne dass Straßen, Wasser, Abwasser und Flächennutzung im gleichen Tempo mitgewachsen sind.
Dass die Regierung nun auch für Puerto Plata, Bayahíbe, Miches, Las Terrenas und Caleta entsprechende Raumordnungspläne vorbereitet, zeigt, dass Punta Cana zugleich als Warnung für andere dominikanische Urlaubsregionen verstanden wird. Dort soll die Politik früher eingreifen – bevor jeder freie Quadratmeter vergeben ist und der nächste Streit um Bauprojekte beginnt.
