LESERBRIEFE

Lesergeschichten
und Briefe

Unsere Leser haben hier das Wort. Leserbriefe spiegeln ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wider, nicht die Haltung der Redaktion.

- WERBUNG -

Leserbriefe

▸ Werner, der Märchenonkel


▸ TÜV ohne Probleme


▸ Der Jesus von Punta Rusia


▸ Das endlose Leiden des Klaus


▸ Eine traurig schöne Insel


▸ Ruhe gesucht - Lärm gefunden


Rubriken

▸ Reportagen & Stories


▸ So schmeckt die DomRep


▸ Auswandern


▸ Lesergeschichten & Briefe


▸ PR's & Empfehlungen


- WERBUNG -

VON EINEM DER AUSZOG UM EINEN RUHIGEN LEBENSABEND ZU FINDEN

Ruhiges Karibikleben gesucht – Höllenlärm gefunden

Sosúa, 20.05.2017  –  ein Beitrag von einen anonymen Leser  –  112 mal gelesen

Für viele Menschen gibt es einen Lebenstraum: ein Leben in der Karibik. Dieses kann sehr unterschiedlich sein. Karibik ist ja nicht nur Sonne, Strand und Palmen. Es ist auch bekannt für sein buntes und vor allem lautes Leben. Musik spielt eine sehr große Rolle im Alltag. Es wundert nur den Neuankömmling, wenn zur Musik aus dem Lautsprecher im Supermarkt oder Geschäft auf einmal die Verkäuferin lauthals mit einstimmt, ihre Hüften schwingt und tanzt. Der Kunde? Nebensache! Doch das ist nicht das Thema. Lebensfreude und Ausgelassenheit gehören zum Leben in der Karibik. Die Dominikanische Republik gilt sogar als seines der lautesten Länder der Welt.

Einen Residenten, der seinen Traum vom Karibikleben verwirklichen wollte, zog es an die dominikanische Nordküste. Da er Ruhe suchte, wollte er nicht in den touristischen Dörfern Cabarete oder Sosúa wohnen, es verschlug ihn ins Campo, genauer nach La Yagua. Ein kleiner Ort zwischen Gaspar Hernandez und Rio San Juan. Perfekte ländliche Idylle. Gesucht - aber nicht gefunden. Denn kaum ist es Freitag erklingt infernalischer Lärm. Das Gedudel und Geplärre aus den Lautsprechern dauert dann bis Sonntag. Drei Tage Dauerbeschallung, bei der sich aber keiner ablöst sondern eher ein „Lärmwettbewerb“ stattfindet. Wer kann es lauter? La Bombita, die Dorfdisco? Einer der vielen Colmados oder Colmadones? Oder doch der Billard-Salon?

Für den Residenten der mit seiner Partnerin Ruhe und Frieden suchte ist dieses Spektakel, welches zwar nicht in Sichtweite aber in nur 400 m Luftlinie entfernt seines Hauses stattfindet, kaum mehr erträglich. Wer Land und Leute kennt, der weiß auch: es gibt keine Lautstärke. Es gibt nur: bis zum Anschlag aufgedreht. Von Klang keine Spur, die Membrane des Lautsprechers droht jeden Moment zu zerbersten. Und klar, das Lärmensemble wäre nicht komplett kämen nicht die Gäste mir ihren fahrbaren Boxen, oder sind das Autos? Natürlich, Musik aus allen vier Himmelsrichtungen reicht nicht, man zeigt auch seine eigene Kompetenz beim Krach machen. So haben die Anwohner zwar 400 m Abstand, gefühlt sind es keine fünf Meter. Die Ohren getillt, im Bauch wummert der Bass.

Natürlich gibt es Lösungen. Doch selbst Doppelisolierfenster aus Deutschland, fest verschlossene Türen, all das kann dem Lärm nicht widerstehen. Da kann man doch froh sein dass es in der Dominikanischen Republik die „Leyes Ambientales“ (Umweltgesetze) gibt. Da wird alles fein, schwarz auf weiß, festgehalten. Es gibt auch vom Innenministerium Regelungen über Schließungszeiten. Fein, so denkt der Resident nebst seiner Nachbarschaft, da haben wir doch was in der Hand. Lärmkontamination ist ja auch hier bekannt. Ein Besuch beim Bürgermeister war kein Erfolg. Er ist ja einer aus dem Dorf, also unternimmt er nichts. Er will ja auch mal dort ein „bien fria“ genießen, dort, wo sein Volk sich amüsiert. Außerdem braucht er Wählerstimmen, also bloß keine unpopulären Entscheidungen treffen.

- WERBUNG -

Vielleicht kann man ja mit den Verursachern der Belästigungen verhandeln? Bei dem Treffen war sogar die Polizei anwesend und alle unterzeichneten ein Abkommen. Genau geregelt von wann bis wann man Musik spielen darf, die dB legte man nicht fest. Warum auch? Man hielt sich eh nicht an die schriftliche Einverständniserklärung. Mittlerweile weiß der Resident: Gesetze haben hier eine gänzlich andere Eigenschaft als in Europa. Man hat sie, um sie zu umgehen.

Neben Domino und Hahnenkampf eine weitere Lieblingsbeschäftigung der Dominikaner. Man versuchte erneut die Krachmacher zu mehr Ruhe zu bewegen, doch mittlerweile ist die kleine Wohngemeinschaft bekannt, bekannt als Unruhestifter. Man wurde also schon bedroht. Da hilft nur die nächst höhere Instanz. Statt Dorfpolizei die Hauptstelle in Gaspar Hernandez. Zumindest jetzt durfte sich der Resident wie in Deutschland fühlen. Denn das typische Behördenverhalten gibt es auch in der Karibik. Man verwies an die nächst höhere Polizeidienststelle. Nach Puerto Plata. Man weiß schon wie man diese fremdländischen Eindringlinge zermürbt.

Die Frage stellt sich: Was tun? Es gibt vier Möglichkeiten:

1.) Man verkauft sein idyllisches Plätzchen (Immobilienbegehung nur montags bis donnerstags)
2.) Man schmiert (und zahlt sich dumm und dämlich - ohne garantierte Aussicht auf Erfolg)
3.) Man ergibt sich seinem Schicksal und hofft. dass die Schwerhörigkeit recht bald eintritt
4.) Man kämpft...

Einen Anwalt kann man sparen, es helfen hier nur Beziehungen. Ein anderer Fall, dieser ereignete sich in Sosúa. Eine recht komfortable Wohnanlage mit Mehrblick. Appartements für Dauerresidenten aber auch Touristen. Das Problem auch hier: Lärm! Nach vorne ein traumhafter Blick auf den Atlantik, nachts von hinten die Discobeschallung. Ein Club veranstaltete zudem jeden Freitag Karaoke. Ein Event der immer gut besucht ist. Und wer die Steigerung von Lärm kennen lernen will: Karaoke. Nicht nur extrem laut, auch extrem falsche Töne werden angeschlagen. Der Disco-Betreiber freute sich, volle Kassen.

Die Appartementvermieter trauerten um ausbleibende Touristen. Die Dauermieter klagten. Die Polizei kam - mehrere Lautsprecher wurden „verhaftet". Doch bis zum kommenden Wochenende wurden dieses gegen Bares wieder ausgelöst. Der Lärm begann erneut. Die Klagen auch. Man wehrte sich, legte gar ärztliche Gutachten vor. Die Menschen klagten über Schlafstörungen, Bluthochdruck, Nervosität. Man verwies auf die Polizeibehörde in Puerto Plata. Ein General höchstpersönlich, dem man sich wohlgesonnen gezeigt hatte, wollte für Ruhe garantieren. Tatsächlich, einmal rief man den General nachts an und bat um einen Polizeieinsatz wegen Ruhestörung. Es wurde gehandelt. Doch scheinbar erwartete der General wohl jedes Mal eine wohlgemeinte Tat ($$$) damit er aktiv wird. Das war keine Lösung. In diesem Fall zeigt sich, es ist nicht nur Geld wichtig, auch Beziehungen. Man ging eine hohe Instanz an. Höher geht nicht. Die Regierung (Tourismusministerium) wurde eingeschaltet. Es kommen weniger Touristen, viele hatten sich ja schriftlich wegen der nächtlichen Unruhen beschwert. Es war ein Kampf, bis hin zu persönlichen Besuchen in der Hauptstadt Santo Domingo. Die Appartmentverwaltung, die Mietergemeinschaft, sie alle legten ein Veto ein und letztendlich, es tat sich was. Ruhe kehrte ein, man drohte der Disco mit Schließung.

Tipp: Im Falle von Gaspar Hernandez kann man kaum ein Tourismusministerium ansprechen, aber eventuell die Presse „Piera“ und „Ortega“ (sind immer gefürchtet) nebst den Anschreiben an die Ministerien für Umwelt und Gesundheit. Denn die haben ja solche Gesetze erlassen. Dann sollte man sich an diese wenden und fragen, warum sie nicht in Gaspar Hernandez gelten? Dann steht man in Zugzwang. Eine Ruhegarantie ist es nicht, aber die letzte Möglichkeit vor einem Verkauf...