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REISEREPORTAGE

Bloß keine Trägertops am „Boca del Diabolo“ tragen

Las Galeras, 21.11.2018  –  ein Beitrag von Sarah Amiri  –  1.555 mal gelesen

Eine Reisereportage von unserer Leserin Sarah Amiri. Ganz freiwillig hatte ich mir die Dominikanische Republik als „Urlaubsziel“ nicht ausgesucht. Ich wurde vielmehr im Rahmen meiner Ausbildung drei Monate dorthin versetzt und zwar mitten in die Hauptstadt Santo Domingo. „Na gut", dachte ich mir. Jetzt durfte ich also die Insel der deutschen Auswanderer (neben Mallorca), der riesigen Hotelanlagen und Privatstrände, der Pauschaltouristen - nein viel schlimmer - der Honeymoon- und Pärchenpauschaltouristen und des Sextourismus hautnah kennenlernen.

Meine Euphorie hielt sich zunächst in Grenzen. Doch mein klischeehaftes Bild über die Dominikanische Republik hat sich um 180 Grad gedreht. Ich bin verliebt in diese wundervolle facettenreiche Insel, in die tropischen Früchte, in la Bandera, in Bachata, Romeo Santos und Ozuna, in die Herzlichkeit der Menschen, die ich kennenlernen durfte, in die Farben des karibischen Meeres und den Larimar. Ich würde jederzeit zurückfliegen, ließe meine Geldbörse dies nur zu. über meinen gesamten Aufenthalt in der Dominikanischen Republik zu schreiben, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, weshalb ich mich auf einen wirklich kleinen Ausschnitt beschränke und zwar auf meinen Urlaub auf der Halbinsel Samaná in dem Ort Las Galeras.

Meine beiden besten Freundinnen, Sarah und Kristina, kamen mich während meines Aufenthalts natürlich besuchen. Nachdem wir zuerst in Bayahibe, danach einen Tag in Punta Cana, und noch ein Wochenende bei mir in Santo Domingo verbracht hatten, mieteten wir uns ein Auto und fuhren in den Norden der Insel.

Der Weg nach Las Galeras ist schön, denn er führt ein kleines Stück durch den Nationalpark „Los Haitises“ und dann an der Küste entlang. In Samaná angekommen sollte man sich auf jeden Fall schon einmal ein „Pan de Coco“ mitnehmen. Wie der Name schon sagt, besteht es aus Kokosnuss, frisch gehobelt und gemahlen. Es wird an fast jeder Ecke dort verkauft. Es ist so lecker, dass ich gleich zehn Stück mit nach Santo Domingo zurücknahm.

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Untergebracht waren wir im „B&B Hotel 21 Palms". Den Tipp gab mir ein Kollege. Alle Tipps meiner Kollegen, die schon seit vielen Jahren in der Dominikanischen Republik leben, waren Gold wert. Die Unterkunft liegt direkt neben dem Strand Aserradero. Betrieben wird das Bed & Breakfast, bestehend aus vier Bungalows, einer Bar an der man frühstücken kann und einem liebevoll gepflegten Garten mit Whirlpool von zwei Italienern, Andrea und Francesco, und deren Kater Jack - den ich sehr vermisse.

Ein Auto ist in Las Galeras übrigens sehr empfehlenswert. Damit konnten wir uns frei bewegen und waren nicht auf „Motos“ angewiesen. Wir haben viele Strände abgeklappert, darunter: la Playita, Aserradero, Rincon und Cano Frío, sowie per Boot mit einem Kapitän die Strände Fronton und Madama.

Abends gingen wir essen bei Augusto an der Hauptstraße, bei dem es typische dominikanische Gerichte gab. Nebenan tranken wir öfter in einer Bar noch Rum mit Cola. Der Besitzer der Bar überließ uns die Musik, so fühlten wir uns wie die absoluten DJanes von Las Galeras. Ok gut, ich gebe zu, einen DJ-Pult gab es nicht. Auch keinen Laptop... vielmehr nur sein Handy, welches er an seine Lautsprecherboxen angeschlossen hatte. Dennoch durften wir die Lieder bestimmen - über YouTube.

Die aufgezählten Strände sind in der Nebensaison sehr einsam und verlassen und auch während unseres Aufenthalts wurden Touristen überfallen. Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass es sich immer noch um ein sich entwickelndes Schwellenland handelt. Aufgrund dessen - und dass am Playa Rincon die Touristenpolizei uns gewarnt hatte, uns nicht noch weiter nach links vom Hauptstrand zu entfernen, da es dort auch zu Raubüberfällen kam, waren wir ein wenig wachsamer.

Wir hatten am Playa Rincon einen verlassenen wunderschönen Strandabschnitt nur für uns alleine gefunden. Der nette Polizist blieb übrigens so lange in unserer Sichtweite, bis wir wieder aufbrachen. Abgesehen von den vielen schönen Stränden und dem Pan de Coco, wollten wir noch einen weiteren Ausflug machen und zwar zum Boca del Diabolo. Zuvor hatten wir uns bei Andrea, dem Besitzer von Palms21 informiert, ob wir drei jungen Frauen mit unserem kleinen Kia bis zur Klippe kämen. Er erklärte uns, dass ein Geländewagen zwar besser sei, falls es unten nass und matschig sei, aber es wohl schon ginge. Der Weg sei etwa sieben Kilometer lang. Um dorthin zu gelangen, sollten wir die Hauptstraße zurück nach Samaná fahren und nach dem Gebäude der Touristenpolizei links abbiegen.

"Und was ist mit den Überfällen auf dem Weg...?", „Kann passieren", sagte ein Angestellter von Andrea. Er wollte uns ungern alleine losziehen lasse, meinte aber dann, dass wohl aufgrund der Vorfälle die Touristenpolizei auf dem Weg anzutreffen sei und Touristen bis zum Boca del Diabolo begleite und wieder zurück bringe. „Nun gut, dann los".

Den Weg zum Boca del Diabolo hatten wir gefunden, jedoch war von der Touristenpolizei weit und breit keine Spur. „Egal, jetzt sind wir schon hier, jetzt fahren wir runter". Anfangs war der Weg noch breiter und befahrbar. Dennoch musste man aufgrund von Schlaglöchern langsam fahren. Wir fuhren an einer Art Baustelle vorbei und alles war bis dahin in Ordnung. Doch dann wurde der Weg schmal und matschig. Es hatte irgendwie was von Jurassic Park an sich. Wir konnten auch kein Gas geben, sonst wären wir mit den Reifen stecken geblieben. Aufgrund der Vorfälle hatten wir auf einmal ein mulmiges Gefühl im Bauch. „Ich packe mein Handy unter den Vordersitz", „leg nichts in die Konsole", „nimm ein wenig Kleingeld aus deinem Portemonnaie, nur für den Fall, dass einer mit einer Machete oder Pistole vor dir steht...".

Ich sollte erwähnen, dass das eine Charaktereigenschaft von uns ist: REINSTEIGERN. Wir steigern uns immer zu sehr in Sachen hinein. Gegenseitiges Beruhigen? - FEHL AM PLATZ! Ich fragte meine beste Freundin, die das Auto fuhr, weil sie nun einmal von uns Dreien der Michael Schuhmacher ist, ob sie theoretisch mit dem Auto jemanden überfahren könne. Sie lachte kurz auf und erzählte etwas Banales. Ich setzte noch einmal an: „Sarah, könntest du theoretisch jemanden umfahren, wenn wir bedroht werden. Also aus Notwehr?". Jetzt merkte sie meine dezente Panik und antwortete: „Naja, wenn jemand mit geladener Waffe vor uns stünde, bringt das auch nichts, wenn ich schnell auf ihn zu fahre und er dann schießt.". „Stimmt, wo sie Recht hat... Naja, es wird schon alles gut gehen", dachte ich mir...

Der Weg wurde immer schlammiger. Wir mussten Slalom um die Pfützen fahren. Plötzlich sahen wir am Rand des Weges ein altes „moto“ (Mofa) stehen. Vom Besitzer weit und breit keine Spur. Sofort wurde von unserem Michael Schumacher der Rückwärtsgang eingelegt und als wir das Auto drehen konnten, fuhren wir zurück zur Hauptstraße. „Das war bestimmt ein Trick, eine ganz fiese Masche". „Gut, dass wir umgedreht sind". Wieder steigerten wir uns ein wenig rein und bestärkten unsere Handlung gegenseitig. „Aber schade, dass wir den Boca del Diabolo nicht sehen...".

Fast oben an der Hauptstraße angekommen kam uns plötzlich eine ganze Touristengruppe auf ihren Buggies entgegen. „Ok, Leute ich würde sagen hinterer- das ist unsere Chance", sagte ich euphorisch zu meinen Mädels. Diese waren jedoch nicht ganz sicher, da unser Auto unten im Schlamm dennoch stecken bleiben könnte. Doch dann fuhren wir los. Auf dem Weg kam uns ein PKW mit Touristen entgegen, wie sich herausstellte waren es Spanier. Ich fragte den Fahrer, ob wir mit unserem Auto den schlammigen Weg passieren könnten und ob es gefährlich sei. Er meinte, wir müssen halt langsam um die Pfützen herumfahren. Gefährlich sei es nicht, denn die Touristenpolizei stünde unten und hätte sie ja auch den ganzen Weg hin und zurück begleitet. Außerdem sei grade eine Touristengruppe auf ihren Buggies vorbeigefahren. „Aha, unser Freund und Helfer ist ja doch da. Wenn ich die erwische...“ dachte ich mir.

Wir fuhren also die 7 km wieder runter und entdeckten die Buggygruppe an der Klippe. Neben ihnen, die Touristenpolizei. Ich stapfte schnurstracks auf einen der Polizisten zu und fragte, wo er denn gewesen sei. Man könne doch nicht drei jungen Touristinnen alleine hier runter fahren lassen, nach alle dem was man so gehört habe. Ich glaube er nahm mich nicht so ganz ernst, und sagte, er sei ja jetzt da. „Jetzt brauchen wir dich auch nicht mehr", murmelte ich auf Spanisch. Da lag ich aber falsch, denn nachdem wir die wunderschöne Klippe genossen hatten und Fotos geschossen hatten, von der wir aus gingen, sie sei der Boca del Diabolo, kam der Polizist auf uns zu und sagte, die Touristengruppe fahre jetzt weiter zum Boca del Diabolo. Ob wir denn jetzt auch mitwollen. „äh, Boca del Diabolo, das ist doch hier", sagte ich sichtlich verwirrt. Er lachte und schüttelte den Kopf und zeigte nach rechts. Peinlich, aber gut... „Ja wir kommen", sagte ich ihm.

Ab jetzt nahm er seine Pflicht als Beschützer der ängstlichen, verwirrten Touristen sehr ernst und er und sein Kollege fuhren auf ihrem „moto“ dicht vor uns her und wiesen uns den Weg. Wir kamen kurz nach der Buggy Touristengruppe an. Doch während die sich kurz versammelten, zeigte der Polizist auf eine Stelle. Wir standen wieder auf Klippen, um uns herum lagen Felsen und Steine. „Ok, dort ist der Boca del Diabolo, dann gehe ich dort mal hin". Ich sollte erwähnen, dass ich in unserer Runde eher die Mutige bin, leider grenzt es manchmal schon an Waghalsigkeit... ich bin quasi der Vortester und mache gleich alles mit. Manchmal (oder öfter ein wenig unüberlegt). Kristina ist da eher sehr zurückhaltend, eigentlich das komplette Gegenteil von mir. Sarah ist unser gesundes Mittelmaß- die Konstellation ist also theoretisch ziemlich gut.

Meine Mädels standen ein ganzes Stück weit weg von mir. Ich stellte mich an die Stelle auf die der Polizist zeigte. Die wie sich herausstellte russische Buggie-Touristengruppe schaute nun auch zu mir rüber, was die Deutsche da so mache. Ich stand vor einem Felsenloch und konnte das Meer sehen und hören. „Und jetzt?“ rief ich dem Polizisten zu, der auf der gegenüber liegenden Seite einige Meter weiter entfernt stand. „Du musst warten, aber geh nicht zu dicht ran", antwortete dieser. Ich ging natürlich einen Schritt näher an das Loch heran und beugte mich etwas hinunter.

Plötzlich pfiff mir der Wind um die Ohren, meine Haare standen wie die von MC Hämmer, wie eine Eins. Ich musste meine Augen schließen und aufgrund des lauten Gelächters meiner Freundinnen und der russischen Buggygruppe wurde mir bewusst, dass ich nicht nur fast mein Gleichgewicht verloren hätte, sondern auch mein Oberteil, welches irgendwo an meinem Hals klebte. Da stand ich nun, oben ohne am Boca del Diabolo, nur im BH. Auch mein Freund und Helfer der Polizist konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Hätte ich mich vorher mal lieber informiert, was uns überhaupt beim Boca del Diabolo erwartet. Wenigstens hatte ich zur allgemeinen Erheiterung beigetragen. Nach dem ganzen Spektakel brachte uns die Polizei wieder bis zur Hauptstraße und wir verabschiedeten uns mit heftigen Winken von ihnen.

Mein Fazit: Keine lockeren Trägertops am „Boca del Diabolo“ tragen...