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ZUM TEUFEL MIT DER TRADITION

Vom religiösen Osterfest zum Saufgelage der Semana Santa

Santo Domingo, 26.04.2017  –  ein Beitrag von Thomas P. Jung  –  951 mal gelesen

Ostern ist neben Weihnachten das bedeutendste Fest der katholischen Kirche. 95% aller Dominikaner sind katholisch. Wer durch das Land reist wird auch im normalen Sprachgebrauch immer wieder auf „Gott“ stoßen. „Dios de bendiga“ (Gott beschütze dich), „Cuando dios quieres“ (so Gott will) und viele weitere Floskeln sind aus dem alltäglichen Sprachgebrauch nicht wegzudenken. Auf Bussen und Autos findet man Glaubensbekenntnisse auf der Heckscheibe. „Gott ist mein Führer“ und ähnliche Dinge stehen dort auf den Heckscheiben. Marienbilder in Häusern und Wohnungen zeigen ebenso die tiefe Verbundenheit des Volkes mit der Kirche.

Seit über 2.000 Jahren hat Weihnachten und Ostern Tradition. Seit dieser Zeit geht man zum Gottesdienst, es ist die Zeit der Besinnung. Erholung, Ruhe und Reflexion. Vor weniger Jahren hatte sich die ehemalige Vizepräsidentin Dra. Margarita CedeÒo, Ehefrau von Leonel Fernandez, diesen Gedanken für das dominikanische Volk gewünscht. Die Antwort: Jede Menge Leserbriefe, das Volk warf der „Primera Dama“ vor, weltfremd zu sein, sich der Probleme des Volkes nicht anzunehmen und selbst dem Luxusleben zu frönen.

Was kann man beobachten? Ruhe und Besinnung will das Volk nicht. Sich mit dem Leben und Leiden von Jesus Christus beschäftigen? Warum? Reicht es nicht, wenn man sagt „Soy cristiano“ (ich bin Christ) oder „Soy evangelico“ (ich bin evangelisch)? In der Dominikanischen Republik scheint die Kirche nur scheinheilige Anhänger zu haben.

Statt Gebet und Besinnlichkeit geht es in die Ferien. Im Fluss baden, am Meer. Grillen (war Karfreitag nicht ein „fleischloser“ Tag? ) und Saufen. Das sind die Prioritäten für die Tage die man als Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersamstag und -Sonntag kennt. Ein sündiges Leben, Genuss bis zum Exzess, statt Fasten und Verzicht. Ruhe? Man muss wohl weit fahren um in diesen Tagen einen ruhigen Ort zu finden. Aus den Autos wummert es, die Musikanlagen haben mehr Power als der Motor. Aus den Colmados, Colmadones und Liquer Stores dröhnt es. Rumflaschen kreisen, der Übermut siegt über den Verstand, die Folgen kann man am Montag (in der Dominikanischen Republik gibt es keinen Ostermontag) im Bulletin der Notfalldienste nachlesen: Tote durch Alkoholvergiftung, Tote bei Verkehrsunfällen, Tote beim Badeunfall. Vielleicht eine Strafe weil man so voller Sünde die Ostertage verbrachte?

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Was ist der Grund warum in einem so katholischen Land wie der Dominikanischen Republik gerade an einem der höchsten christlichen Feiertage alles aus dem Ruder läuft? Soziologen haben eine einfache Erklärung. Vor rund 20 Jahren sei hier das Kapitel der Freizeit aufgeschlagen worden. Orte des Zeitvertreibs lockten weit mehr Besucher an, als die Besinnlichkeit der Kirche. Gemeinsam die Zeit mit Freunden und Familie verbringen war auf einmal vorrangig, wichtiger als Gebete. Viele Urlaubstage haben dominikanische Arbeiter und Angestellte nicht, zu Ostern hat man aber drei bis fünf Tage frei.

Wer Geld hat, leistet sich einen Kurzurlaub. Die heiligen Tage werden degradiert zu Urlaubstagen. Somit entfallen Kirche und Gebet, Party ist angesagt. Die alten Generationen sind heute noch ein wenig mit der Kirche verbunden, die Jugend kennt Ostern jedoch nur noch als Urlaubszeit, als „Semana Santa, die Woche in der man feiert. Die Bedeutung der Auferstehung rückt in den Hintergrund, wird zur Bedeutungslosigkeit. Medien und Unternehmen rücken die Unterhaltung in den Vordergrund. Konzerte und Feste, wer denkt da noch an Kirchgang und Gebete? Die Prozession von heute zieht nicht von Gedenkstätte zu Gedenkstätte, man zieht von Bar zu Bar, an Strände und Flüsse.

Und in wenigen Jahren wird man sich vielleicht fragen: Wer war eigentlich Jesus Christus?