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Der Behördenkoloss von Santo Domingo, den jeder Dominikaner als „El Huacal“ kennt

Santo Domingo, 20.07.2026  –  ein Beitrag von unserer Redaktion  –  442 mal gelesen

Er ist grau, wuchtig und kaum zu übersehen: Seit mehr als einem halben Jahrhundert ragt das Regierungsgebäude „Juan Pablo Duarte“ über das Zentrum von Santo Domingo. Doch seinen offiziellen Namen benutzen nur wenige. Für die Dominikaner ist der 14-stöckige Betonkoloss schlicht „El Huacal“ – ein Gebäude, das wie kaum ein anderes für die Geschichte und das Wachstum des dominikanischen Staatsapparats steht.

Als Präsident Joaquín Balaguer den Bau am 21. Juni 1975 eröffnete, galt er als architektonisches und technisches Großprojekt. 66 Meter hoch, rund 28.700 Quadratmeter groß und 4.026.339 Pesos teuer – für damalige Verhältnisse eine gewaltige Investition. Sechs Aufzüge, ein Auditorium für 300 Besucher und eine riesige Wasserzisterne auf dem Dach machten den Neubau zu einem der modernsten Verwaltungsgebäude des Landes.

DomRep: Der Behördenkoloss von Santo Domingo, den jeder Dominikaner als „El Huacal“ kennt
Entworfen wurde das Gebäude von dem dominikanischen Architekten Pedro José Borrell Bentz (1944 in Puerto Plata geboren). Er war gerade einmal 27 Jahre alt, als die Bauarbeiten 1971 begannen. Ursprünglich hatte Borrell einen Gebäudekomplex aus zwei miteinander verbundenen, jeweils zwölfstöckigen Türmen geplant. Die Fundamente waren bereits in Arbeit, als aus dem Präsidentenpalast die Anweisung kam, stattdessen einen einzigen Turm mit 14 Etagen zu errichten.

Warum Balaguer die Pläne kurzerhand über den Haufen warf, erklärte Borrell später mit einem ebenso knappen wie vielsagenden Satz: „Es gibt Dinge, nach denen man nicht fragt. “

Auch technisch stellte das Projekt die Bauleute vor völlig neue Herausforderungen. In der DomRep gab es damals kaum Erfahrung mit Kränen, Lastenaufzügen und dem Gießen großer Betonmengen in dieser Höhe. Die unverputzte Betonkonstruktion sollte dem Gebäude Kraft und Schlichtheit verleihen – ein monumentaler Verwaltungsbau, der zugleich offen für die Bevölkerung sein sollte.

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Vor dem Haupteingang lag ursprünglich eine öffentliche Plaza mit Bäumen, Lampen und Sitzbänken. Die Bürger sollten dort im Schatten warten, sich treffen oder ausruhen können. Das Regierungsgebäude war nicht als abgeschottete Behördenfestung, sondern als Teil des städtischen Lebens gedacht.

Von dieser Idee ist heute kaum noch etwas zu erkennen. Zäune, Zufahrten, Wachposten und Hunderte parkende Autos haben die einstige Freifläche verdrängt. Rund um den Betonturm befinden sich heute vor allem Parkplätze – obwohl die vorhandenen 309 Stellflächen längst nicht mehr für die vielen Beschäftigten und Besucher ausreichen.

Auch das Erscheinungsbild der Fassade hat sich verändert. Nachträglich montierte Klimageräte hängen inzwischen an zahlreichen Fenstern. In der ursprünglichen Planung war eine solche Ausstattung nicht vorgesehen. Balaguer selbst hielt Klimaanlagen angeblich für unnötigen Luxus: Im Präsidentenpalast brauche er nur die Türen zu öffnen, um genügend frische Luft zu bekommen, soll er argumentiert haben.

Allerdings: eine technische Besonderheit funktioniert noch immer: Auf dem Dach befindet sich eine Zisterne, die rund 28.000 Gallonen Wasser fasst. Das Wasser wird nach oben gepumpt und fließt von dort durch die Schwerkraft in die unteren Etagen. So sollte die Versorgung auch während der früher häufigen Stromausfälle gewährleistet bleiben.

Warum heißt der Bau „El Huacal“?

Seinen Spitznamen erhielt das Gebäude bereits bei der Eröffnung. Als „Huacal“ bezeichnet man im dominikanischen Sprachgebrauch eine Kiste oder ein Gestell, in dem unter anderem Flaschen transportiert werden. Gleichzeitig nennt man in der DomRep Personen, die vom Staat bezahlt werden, ohne tatsächlich zu arbeiten, umgangssprachlich „botellas“ – also „Flaschen“.

Der Volksmund machte aus dem riesigen Regierungsgebäude deshalb kurzerhand den „Huacal“, in dem all diese „Flaschen“ untergebracht wurden. Der Name blieb – und wurde bekannter als die spätere offizielle Bezeichnung „Edificio de Oficinas Gubernamentales Juan Pablo Duarte“.

Vom Vorzeigeprojekt zum Behörden-Giganten

Bei seiner Eröffnung sollen rund 900 Staatsbedienstete in dem Gebäude gearbeitet haben. Inzwischen kommen nach Angaben der Verwaltung täglich etwa 7.000 Beschäftigte und Besucher in den Turm. Mehr als zehn staatliche Institutionen verteilen sich über die 14 Etagen. Dazu gehören unter anderem das Innenministerium, die Haushaltsdirektion, das Statistikamt ONE, die Bergbaubehörde, die Generaldirektion für staatliche Ethik und das Institut für öffentliche Verwaltung INAP.

Zu den Institutionen, die einst in dem Gebäude untergebracht waren, gehören das Technische Sekretariat der Präsidentschaft, aus dem später das Ministerium für Wirtschaft, Planung und Entwicklung hervorging, die Generaldirektion für Personalausweise, die Einwanderungsbehörde „Migración“ und die Passbehörde sowie das Nationale Institut für Wohnungswesen (INVI) und das Institut für Entwicklung und Genossenschaftskredite (Idecoop).

Der alte Koloss wird herausgeputzt

Jahrzehntelang galt „El Huacal“ als sichtbar gealterter Staatsbau. Der Architekt Pedro Borrell berichtete bereits 2016, dass ihn die Veränderungen und die mangelnde Pflege seines Werkes traurig machten. Mehr als zwanzig Jahre lang habe er das Gebäude nicht mehr besucht. Zu sehr schmerze es ihn, mitanzusehen, wie immer neue Anbauten und technische Installationen das ursprüngliche Erscheinungsbild veränderten.

Inzwischen wurde jedoch wieder investiert. 2024 und 2025 ließ die Gebäudeverwaltung unter anderem das Foyer erneuern, Dachschäden und undichte Stellen beseitigen, die Zisterne abdichten und die Aufzüge warten. Zudem wurden die Beleuchtung verbessert und Grünflächen rund um den Bau wiederhergerichtet. Trotz seines Alters sei das Gebäude weiterhin sicher, betont die Verwaltung.

„El Huacal“ hat seinen früheren Glanz zwar verloren. Doch der graue Betonriese ist längst mehr als nur ein Verwaltungsgebäude. Er ist ein Wahrzeichen der Balaguer-Ära, ein Denkmal dominikanischer Architektur – und bis heute das wohl bekannteste Symbol für die stetig wachsende Bürokratie des Landes.