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Vom Zuckerrohr-Abfall zum Weltmarktprodukt „Furfural“

La Romana, 20.08.2026  –  ein Beitrag von Thomas P. Jung  –  169 mal gelesen

Furfural – kaum jemand kennt das Wort, kaum jemand weiß, was sich dahinter verbirgt. Und dennoch gehört die DomRep auf einem Markt, der sich hinter diesem seltsam klingenden Namen verbirgt, seit Jahrzehnten zur Weltspitze. Furfural ist ein chemischer Rohstoff, der in La Romana aus einem Reststoff der Zuckerrohrverarbeitung hergestellt wird.

Die Geschichte dahinter beginnt bei der größten Zuckerfabrik des Landes: Central Romana. Das Unternehmen wurde 1912 von der US-amerikanischen „South Porto Rico Sugar Company“ gegründet, die zunächst Zuckerrohr in der Dominikanischen Republik anbaute und zur Verarbeitung nach Puerto Rico verschiffte. 1917 begann die erste eigene Zuckerproduktion in La Romana. Aus dem ursprünglichen Zuckerunternehmen entwickelte sich später einer der größten agroindustriellen Konzerne der Dominikanischen Republik.

DomRep: Vom Zuckerrohr-Abfall zum Weltmarktprodukt „Furfural“
Bis heute ist Central Romana der größte Zuckerproduzent des Landes und zugleich in der Chemieindustrie tätig. 1955 errichtete das Unternehmen in La Romana unter dem Namen „Romana By-Products“ seine erste Furfural-Anlage. Damit begann die erste große Diversifizierung von Central Romana über das eigentliche Zuckergeschäft hinaus. Central Romana erkannte das Potenzial offenbar früh. Der ungewöhnliche Chemierohstoff entwickelte sich zu einem internationalen Erfolg. 1973 wurde die Anlage noch einmal erheblich erweitert und erreichte eine Jahreskapazität von 90 Millionen Libras – umgerechnet knapp 41.000 Tonnen. Damit verfügte Central Romana damals über die größte Furfural-Anlage der Welt.

Doch was ist Furfural eigentlich? Dahinter verbirgt sich eine ölige Flüssigkeit, die außerhalb der Chemiebranche kaum jemand kennt. Gewonnen werden kann sie aus pflanzlichen Rohstoffen, die reich an bestimmten Kohlenhydraten, sogenannten Pentosanen, sind. Dazu gehören Maiskolben, Reishülsen oder Erdnussschalen – und vor allem die faserige Bagasse, die übrigbleibt, nachdem aus Zuckerrohr der Saft herausgepresst wurde.

Was zunächst nach Abfall klingt, ist für die Industrie ein wertvoller Rohstoff. Aus Bestandteilen der Zuckerrohr-Bagasse wird durch chemische Verarbeitung Furfural gewonnen. Der Stoff kann selbst als Lösungsmittel eingesetzt werden, vor allem aber dient er als Ausgangsmaterial für weitere chemische Produkte.

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Besonders wichtig ist Furfurylalkohol. Daraus entstehen sogenannte Furanharze, die beispielsweise in Gießereien als Bindemittel für Sandformen und -kerne verwendet werden. In diesen Formen werden später Metallteile gegossen. Auch in Kunstharzen, Baustoffen und weiteren industriellen Anwendungen kommen Furfural-Derivate zum Einsatz.

Damit kann ein Reststoff aus dominikanischem Zuckerrohr am Ende in Industrieprodukten landen, bei denen wohl kaum jemand eine Verbindung zur Karibik vermuten würde.

Der Weg nach Europa

Doch die Wertschöpfung endet nicht in der Dominikanischen Republik. Um die internationale Vermarktung des Produkts abzusichern, erwarb Central Romana 1995 eine Anlage in Belgien. Dort verarbeitet die Gesellschaft TransFurans Chemicals (TFC) das dominikanische Furfural zu Furfurylalkohol. Für den internationalen Vertrieb ist die in den Niederlanden ansässige International Furan Chemicals (IFC) zuständig. Nach Angaben von Central Romana beschäftigen diese Aktivitäten zusammen mehr als 200 Menschen.

So entstand über Jahrzehnte eine ungewöhnliche Lieferkette: Zuckerrohr wächst und wird in der Dominikanischen Republik verarbeitet, aus seinen Reststoffen entsteht in La Romana ein Chemierohstoff, der anschließend überwiegend nach Europa gelangt und dort weiterveredelt wird.

Weltspitze im Verborgenen

Wie bedeutend diese weitgehend unbekannte Industrie ist, zeigt ein Blick in die internationalen Handelsstatistiken. 2023 exportierte die Dominikanische Republik rund 26.686 Tonnen Furfural im Wert von 22,8 Millionen US-Dollar. Nach Daten der Weltbank beziehungsweise von UN Comtrade belegte die DomRep damit weltweit Platz eins unter den Furfural-Exporteuren – noch vor Südafrika und China.

Ein Jahr später blieb die Dominikanische Republik in der absoluten Weltspitze. 2024 wurden rund 26.093 Tonnen im Wert von 17,5 Millionen US-Dollar exportiert. Nach Exportwert lag nur Südafrika mit 17,9 Millionen Dollar knapp davor. China folgte mit 12,9 Millionen Dollar.

Bemerkenswert ist dabei, wohin die dominikanische Produktion geht. 2024 wurden rund 15.593 Tonnen in die Niederlande und weitere 10.501 Tonnen nach Belgien geliefert. Damit entfiel praktisch der gesamte registrierte Export auf diese beiden europäischen Länder.

Auch die Produktion selbst bewegt sich weiterhin auf hohem Niveau. Nach Angaben des dominikanischen Zuckerinstituts INAZUCAR, die das US-Landwirtschaftsministerium in seinem aktuellen Bericht zur dominikanischen Zuckerwirtschaft aufführt, stellte Central Romana in der Zafra 2024/25 rund 25.590 Tonnen Furfural her. Central Romana ist demnach der einzige Produzent des Stoffes im Land.

Ein nahezu unsichtbarer Exportschlager

Furfural gehört damit zu jenen dominikanischen Exportprodukten, die im Alltag fast niemand wahrnimmt. Es gibt keine Flaschen im Supermarkt, keine Werbekampagnen und keine touristische Vermarktung. Selbst vielen Dominikanern dürfte kaum bekannt sein, dass ihr Land auf diesem kleinen, spezialisierten Weltmarkt eine derart große Rolle spielt.

Dabei steckt hinter dem Produkt eine bemerkenswert moderne Idee, die in La Romana bereits vor Jahrzehnten umgesetzt wurde: Ein Reststoff der landwirtschaftlichen Produktion wird nicht entsorgt, sondern zum Ausgangsmaterial für ein hochwertiges Industrieprodukt.

Aus dem, was nach dem Auspressen des Zuckerrohrs übrigbleibt, entsteht so ein Chemierohstoff für den Weltmarkt. Und ausgerechnet bei diesem nahezu unbekannten Produkt gehört die Dominikanische Republik seit Jahrzehnten zur Weltspitze.