Goldabbau in San Jose - ein Verbrechen gegen die DomRep?
San Jose, 26.06.2017 – ein Beitrag von Silke Singer – 694 mal gelesen
Erst war es ein katholisches Kirchenoberhaupt, das den Goldabbau in der Provinz San Juan de La Maguana ablehnte und auf die negativen Einflüsse durch den Bergbau aufmerksam machte, nun ist es die Bewegung „Vaterland für Alle, kurz MPT, die sich patriotisch gegen die Vermarktung des Landes wehrt. Die Bewegung sieht den Goldabbau sogar als ein „Verbrechen gegen die Dominikanische Republik“ an. In einer Pressemitteilung macht sie darauf aufmerksam, wie sich der Minenbetrieb negativ auf die Flüsse San Juan und Guázuma auswirken wird. Die beiden Wasserläufe sind Quelle des Stausees bei Sabaneta. Befürchtet wird auch, dass die Aquädukte von San Juan de la Maguana künftig weniger Wasser bekommen werden. „Die Genehmigung des Goldabbaus versetzt der Nation einen Schlag gegen die Natur, gegen das Ökosystem der Region, so die MPT.
Autorisiert wurde der Goldabbau durch Energieminister Tony Isa Conde, für die Aktivisten der MTP ein Geschenk an die Unternehmen CORDE und CDE, welche die Genehmigung zum Edelmetallabbau erteilt bekommen haben. „Der Bergbauminister und die Regierung verschenken und zerstören das eigene Land, wenn es nicht geraubt wird“ und machten damit eine Anspielung auf den den Nachbarstaat Haiti.
Schon beim Bergbau durch die Unternehmen Falcondo in Bonao und „Barrick Gold“ in Cotuí habe man erleben müssen, wie die Umwelt nachhaltig zerstört wird, die Bewohner unter den Umwelteinflüssen leiden. Die Einflüsse des Bergbaus von San Juan werden in ihrer Ausdehnung auch die Provinzen Barahona, Bahoruco und Indepedencia zu spüren sein, der Fluss San Juan ist ein wichtiger Nebenfluss des Yaque del Sur, dessen Wasserreduzierung wird sich im Südwesten des Landes bemerkbar machen.
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Kanadas Bergbaugesellschaften Barrick Gold und Goldcorps haben ein leichtes Spiel in der Dominikanischen Republik. Die mit der dominikanischen Regierung geschlossenen Verträge haben in erster Linie einen Gewinner: Barrick Gold. In zweiter Reihe stehen offensichtlich Mitglieder der Regierung von Ex-Regierungspräsident Dr. Leonel Fernandez. Konflikte und Proteste des Volkes gab es, der Widerstand forderte gar Todesopfer. Dennoch, Fernandez bestätigte (ohne geologische Fachkenntnisse) dass das Unternehmen aus Kanada alle Punkte des Vertrages erfülle und alles seinen rechten Weg geht.
Barrick Gold hingegen tut ebenfalls sein Bestes in der Public Relation. Der größte Arbeitgeber des Landes vergisst nie zu betonen welche großen Gewinne doch auch die Regierung habe die doch zu 50% vom Nettogewinn des Metallabbaus profitiere. Damit nicht genug, 5% fließen nochmals in die Gemeindekassen, schließlich habe das Bergbauunternehmen ja auch eine soziale Verpflichtung und einen Auftrag zu erfüllen. Man repariere Straßen und Brücken (dass dies dem Schwerlastverkehr des Unternehmens dient und diese Lkw auch andere Straßengefährden – dass Schulwege unsicher werden und erhöhte Staubkontamination die Bewohner an den Zufahrtsstraßen erkranken, das wird verschwiegen). Es werden Gemeindeeinrichtungen wie Sportanlagen und Versammlungsräume gebaut.
Ist die Bergbaugesellschaft also ein christliches Unternehmen? Das Volk sieht es anders und nicht nur dieses, auch Natur- und Umweltschützer.
Der Ärger begann mit der Zwangsräumrung von Familien und Bauern. Wo sie jahrelang wohnten und ihren Lebensunterhalt verdienten – dieses Land beanspruchte die Regierung. Das Volk musste weichen und bekam, so der Volksmund, für das Land den Preis einer „toten Kuh. Damit nicht genug, die Regierung verkaufte anschließend teuer das Land weiter an Barrick Gold, doch die ehemaligen Bewohner mussten teils über ein Jahr warten bis auch sie Geld bekamen, als Almosen.
Mit dem wenigen Geld konnten die ehemaligen Bauern kein neues Land kaufen um es zu bewirtschaften. Somit hatten sie kaum etwas in der Hand, den Familienunterhalt konnte man nicht mehr sichern. Soziale Not betraf viele, doch die Regierung sprach von einer Verbesserung der Lebensqualität, man habe ja nun unzählige Arbeitsplätze in der Region geschaffen. Tja, nur steigen auch die Lebenshaltungskosten. Wo viele Arbeiter auf enger Fläche leben wird Wohnraum benötigt, die Folge: die Mietpreise steigen immens. Was die Verbesserung der Lebensqualität angeht, da kann man getrost widersprechen. Was nutzen den Arbeit und Geld wenn einem der Lebensraum genommen wird?
Nicht nur des Landes enteignet, nein, Barrick Gold fing an das Land vorzubereiten. Zahlreiche Grünflächen wurden gerodet, weggebaggert. Pflanzen und Tierwelt spürten den Impact des Bergbaus als erstes. Dann begannen die ersten Probeläufe, damit kam auch Chemie zum Einsatz. Flüsse verfärbten sich, die Uferbepflanzung zeigte sichtbare Schäden. Fische starben. „Alles in Ordnung, lautete immer wieder die Antwort der Politiker aus Santo Domingo, begleitet von den Selbstbeweihräucherungen des Unternehmens Barrick Gold.
Ist das Volk nun undankbar? Nein, das Volk wird krank. Der Staubkontamination folgten Krankheiten, Atemwegserkrankungen, Nervenleiden, Hautallergien.
Im Wahlkampf gab es dann diverse Politiker der Opposition welche ebenfalls die Verträge der Regierung mit dem Unternehmen anzweifelten. Man forderte Einblick, doch Transparenz gab es nicht. Fest steht, das Unternehmen investiert Milliarden US-Dollar, die Regierung zeigt sich dankbar. Für die ersten drei bis vier Jahre sind kaum Steuern fällig, Barrick kassiert deutlich mehr als die Regierung. Das Volk und die Opposition forderten die Neuverhandlung von Verträgen, doch offensichtlich haben auch zahlreiche Regierungspolitiker profitiert, jede Kritik, jede Protestbewegung wird niedergeschmettert, dabei schreckt man vor Polizeieinsätzen nicht zurück, es wird gar scharf geschossen auf das Volk. Bei einer Demo gab es mehr als 30 Verletzte. Demokratie und Transparenz unterliegen offensichtlich Profitgier und Korruption.
Die ehemaligen Bauern haben ein Dach über dem Kopf, mehr nicht. Den Boden zog man ihnen unter den Füßen weg. Das versprochene Ackerland – es war wohl ein Versprecher der Ex-Regierung. Es gibt ein Zitat der alten Indianer welches endet mit den Worten: „. .. erst dann werden sie begreifen, dass man Geld nicht essen kann. Das Volk weiß es längst. Aber was kann man noch essen? Die Fische in den Flüssen vergiftet, das Uferland ebenfalls.
Was verursacht diese Schäden? Es ist das lebensgefährliche Zyanid welches tonnenweise beim Bergbau benutzt wird. Zyanid bindet beim Abbau das Edelmetall aus der Erde (man gewinnt Eisennickel, Kupfer, Silber und vor allem Gold). Angeblich gibt es teure Kläranlagen, offensichtlich ist jedoch: die Natur wird zerstört, mit ihr wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen, auch für den Menschen. Teils sind die Gebiete wichtig für die Wasserversorgung, doch diese Brühe kann keiner mehr nutzen.
Man ist eben in der Karibik, in der Dominikanischen Republik. Ein Entwicklungsland welches sich hier ausbeuten lässt – Dank der Hilfe einiger gieriger Politiker. In Europa wäre so etwas undenkbar. Bereits im Jahr 2010 beschloss das Europaparlament Zyanid nicht mehr im Bergbau einzusetzen. Ein Verbot existiert, verbindliche Richtlinien fehlen noch. Doch Deutschland, die Türkei, Tschechien und Ungarn haben ein Verbot von Zyanid im Bergbau eingeführt.
Und in der Dominikanischen Republik? Seit kurzem hat man nun mit dem produktiven Metallabbau begonnen. Abscheideanlagen trennen das Edelmetall aus dem Erdreich, dabei wird das hochgiftige Zyanid eingesetzt. Bis zu 24 Tonnen Zyanid kommen in der Mine Pueblo Viejo zum Einsatz. Mehr als einhundert Organisationen (politische, kirchliche und populäre) protestieren, verlangen die Annulierung der Verträge zwischen der dominikanischen Regierung und dem Unternehmen Barrick Gold.
Der Selbstmord auf Raten hat begonnen. ..
