Die Geschichte der Halbinsel Samaná
Samaná, 18.04.2018 – ein Beitrag von Bernd Appel – 1.387 mal gelesen
Geologisch stammt die Halbinsel aus der Kreidezeit. Sie besteht aus weißem, rosafarbenem, grünem und grauem Korallengestein, Granit und Marmor. Samaná gehörte, als Kolumbus zum zweiten Mal nach Hispaniola kam zu Maguó, dem Reich des Kaziken Guarionex vom Stamm der Ciguayo. Guarionex war offensichtlich fremdenfeindlich und Kolumbus schrieb in sein Bordbuch „...niemals habe er so viele Pfeile über ein Schiff fliegen sehen“ und nannte die Bucht damals Bahía de las Flechas, auf deutsch „Bucht der Pfeile".

Die Spanier mieden Samaná wegen der schlechten Erfahrungen fortan, so dass sich die Halbinsel mitsamt den Höhlen von Los Haitises zum beliebten Schlupfwinkel von Piraten entwickeln konnte. Samaná war früher ein Piratennest. Als Spanien 1795 ganz Hispaniola an Frankreich abtrat und schon bald darauf die Französische Revolution zur Geburt Haitiis führte, erwählte Napoleon die natürliche Bucht von Santa Barbara de Samaná als seinen Karibik-Stützpunkt für die Reorganisation der viel Geld bringenden Zuckerwirtschaft.
Er wollte dort seinen Port Napoleon erbauen. Von da an hieß Santa Bárbara de Samaná neu Cité de Napoleón. Die Verwirklichung des Großprojekts „Port Napoleón“ scheiterte aber an der baldigen Vertreibung der Franzosen.
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Zu Beginn der dominikanischen Unabhängigkeit schienen die neuen dominikanischen Präsidenten nichts anderes im Sinn zu haben, als Samaná gegen gutes Geld wieder loszuwerden: Schon unter Präsident Santana begannen erste Verhandlungen mit den USA. Die damals noch jungen Vereinigten Staaten suchten seinerzeit nach St?tzpunkten in der Karibik. 1872 machte Präsident Buenaventura Báez den Vertragsentwurf perfekt: Samaná sollte auf 99 Jahre für 150.000 US$ Dollar jährlich an die USA verpachtet werden. Die „Azules“ (Blauröcke) aus dem Norden sorgten mit Unterstützung von Haiti jedoch dafür, dass es dazu nicht kam. Der haitianische Diktator Ulises Heureux versuchte sein Glück später noch einmal, Samaná gegen militärische Unterstützung für Haiti an die USA zu verpachten; doch dieses Mal verwarfen der US-Senat und der US-Kongress den Antrag. Stattdessen richteten sich die USA nun bei Guatanamo auf der Insel Kuba ein.
In der Geschichte spielte Samaná eine letzte wichtige Rolle gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als über den Hafen von Sánchez die Produkte für die United Fruit Company (Dole) von La Vega via Sanchez verschifft wurden. Dazu war eine Eisenbahn von La Vega nach Sanchez gebaut worden. Die Natur machte dem Hafen von Sanchez aber schon bald einen Strich durch die Rechnung. Die Bucht von Samaná wurde durch das ständig angeschwemmte Sediment des Rio Yuna immer flacher und man tat nichts dagegen. Fazit: Schiffe konnten in Sanchez nicht mehr anlegen und die einst aufstrebende Hafenstadt versank in Agonie. Nachdem der Ort Sanchez seine Bedeutung als Hafen- und Handelsstadt verloren hatte, schlossen binnen weniger Monate auch die Handelsposten aus aller Welt ihre Pforten. Die alte Eisenbahnlinie, die einst Früchte vom Inland nach Samaná transportierte, wurde eingestellt.
Zum Teil zeugen heute die original, historischen Kolonialbauten und Gingerbredhäuser noch von dieser guten alten Zeit. Aus dem einst quirligen Ort wurde ein armes Fischerdorf. Vom einstigen Glanz ist nicht mehr viel zu sehen. Heute ist Sanchez ein Ort, an dem viele Samaná?-Gäste bei ihrer An- und Abreise vorbeichauffiert werden oder ihren Tagesausflug in den Nationalpark Los Haitises beginnen oder beenden. Der Ort wäre eine karibische Perle, wenn man hier investieren würde. Er ware eine kulturelle Fundgrube und absolut sehenswert für Kultur- und Geschichts-interessierte Gäste aus aller Welt. So aber verfällt der Charme und viele verlassen den Ort und suchen ihre Chancen woanders - z.B. in Las Terrenas!
Nur wenige wissen: Noch vor wenigen Jahrhunderten war Saman?á eine echte Insel, keine Langzunge oder Halbinsel. Der Rio Yuna mit seinem angeschwemmten Sediment schuf diese neue Landschaft ? das flache, neue Land ab Sanchez, wo heute vor allem Reis angebaut wird. Früher war der Ort Las Terrenas, auf der anderen Seite der Halbinsel wirklich das verschlafene Fischerdorf. Man brauchte von Sanchez aus noch wenige Jahrzehnte zurück über die Loma mehr als einen halben Tag mit Pferden und Maultieren, um nach Las Terrenas zu kommen. Dass der Ort heute die touristische Metropole der Halbinsel Samaná ist, hätte damals niemand gedacht. Das gleiche gilt für Orte wie El Limon, Barbacoa oder das aufstrebende Moron. Erst der mehr und mehr aufkommende Tourismus machte aus diesen Orten das, was sie heute ausmacht. Dazu gehürt auch Las Galeras - am Ende der Halbinsel.
Heute ist die Halbinsel mehr und mehr touristisch und auch sonst erschlossen und es gibt fast keine weißen Flecken mehr auf der Landkarte...
