Als die Amerikaner die Prostitution verbieten wollten
Santo Domingo, 27.01.2023 – ein Beitrag von unserer Redaktion – 2.888 mal gelesen
Ein Rückblick:

Damals lebten rund eine Million Menschen in der DomRep. Die Schönheit der Dominikanerinnen faszinierte natürlich auch die US-Marines und weckte Begehrlichkeiten nach zwischenmenschlichen Beziehungen. Es sprach sich schnell herum, dass die „Gringos“ gern den einen oder anderen Dollar springen ließen, um sich etwas zu vergnügen.
Die Kehrseite der Medaille: Mit der Zunahme bezahlter sexueller Begegnungen zwischen Dominikanerinnen und US-Soldaten stieg auch die Zahl der Geschlechtskrankheiten in den Besatzungstruppen. Dass ein Treffen mit einer Prostituierten auch mit gesundheitlichen Risiken verbunden war, war unter den Soldaten auch damals schon bekannt, die Verlockung einer karibischen Schönheit stand dem aber entgegen.
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Was sollte dagegen getan werden? Soll die Prostitution strikt verboten werden oder wäre es besser, Regulierungsmechanismen zu schaffen?
Zunächst wurden Beschlüsse zur Regulierung der Prostitution gefasst. Aus Gründen der öffentlichen Ordnung sollte die Prostitution nur noch an bestimmten Orten stattfinden, die die Militärs im Blick hatten. Zu diesem Zweck wurden städtische Sperrbezirke, so genannte „Toleranzzonen“ (Zonas de tolerancia) eingerichtet, in denen die Ausübung der Prostitution unter sittenpolizeilicher Kontrolle und Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Prostituierten erlaubt war.
Die Durchführungsverordnung (Orden Ejecutiva) Nr. 96 von 1917 legte eindeutig fest, dass diese „Toleranzzone“ der einzige Ort war, an dem sich Prostituierte in der Stadt Santo Domingo aufhalten durften. Ab dem 45. Tag nach der Veröffentlichung dieser Verordnung wurde jede Prostituierte, die sich in einem anderen Teil der Stadt aufhielt, zur Zahlung einer Geldstrafe von fünf Goldpesos und zur Verbüßung von fünf Tagen Arrest für jeden Tag verurteilt, den sie sich außerhalb der „Toleranzzone“ aufhielt. Außerdem wurde erwogen, die Prostituierten zu wöchentlichen Untersuchungen und zum Führen eines Ausweises zu verpflichten, in dem unter anderem vermerkt werden sollte, ob sie sich mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt hatten. Alle Maßnahmen zielten im Wesentlichen darauf ab, die Ansteckungsgefahr der Marinesoldaten mit sexuell übertragbaren Krankheiten zu verringern.
Dennoch waren die Fälle von Geschlechtskrankheiten höher als von der US-Militärregierung erwünscht. Relativ schnell erhielt die US-Besatzungsverwaltung in Santo Domingo daraufhin eine Anweisung aus Washington, endlich Maßnahmen zu ergreifen, um die Prostitution als illegal zu brandmarken.
Auf höchster Ebene der Militärregierung wurde beschlossen, die Schaffung einer gesetzlichen Struktur voranzutreiben, die auf die entstandene Situation reagieren sollte. Das Ergebnis war eine Art „Sanitätsgesetz“ (Ley de Sanidad), das Ende 1919 verkündet wurde, aber erst Anfang 1920 in Kraft trat, und das Gesundheitsgesetz (Código Sanitario) von 1920.
Die neuen Gesetze und Verordnungen stellten eine deutliche Abkehr von den bisherigen Versuchen dar, die Prostitution zu regulieren. Artikel 22 des Gesundheitsgesetzes besagt, dass „es für jede Person verboten ist, Prostitution heimlich oder öffentlich auszuüben, Vorkehrungen für öffentliche oder heimliche Prostitution zu treffen oder mit privater oder öffentlicher Prostitution zu handeln".
Trotz all dieser Verbote und der strafrechtlichen Verfolgung der Prostitution konnte der beabsichtigte Zweck nicht erreicht werden. So einschneidend der Alltag für die betroffenen Frauen auch war, die „Sittlichkeitserziehung“ der Amerikaner ging nicht auf. Die Prostitution blühte weiter und die Dominikanerinnen zeigten sich unbeirrbar in Sachen „Sex gegen Geld".
Die US-Militärregierung verzichtete schließlich darauf, ihr Ansinnen nach einer Regulierung von käuflichem Sex in der DomRep weiter weiter zu verfolgen, obwohl diese Strategie in allen anderen Ländern erfolgreich war, in denen US-Truppen ähnliche Maßnahmen ergriffen hatten.
Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig, aber offensichtlich hatte man nicht mit dem Stolz der Latinas gerechnet und keinen richtigen Ansatz gefunden, der die Würde der Dominikanerinnen in den Vordergrund stellte. Die meisten Dominikaner nahmen den Verlust ihrer Souveränität an Ausländer sehr übel, von denen nur wenige Spanisch sprachen oder sich wirklich für das Wohlergehen der DomRep interessierten.
