Ein Restaurantstreifzug durch das Städtchen Sosúa
Sosúa, 06.05.2023 – ein Beitrag von Uwe Hubertus Knödlseder – 2585 mal gelesen
„In den Kochtöpfen der Karibik verschmelzen die Aromen verschiedener Kulturen", heißt es.

Folgende Restaurants habe ich besucht:
• Hotel-Restaurant „Voramar"
• Germany Bar & Grill Restaurant
• Hotel Waterfront
• Dolci & Sapori
• Parada Tipico - „El Choco"
• Cerveceria - North Coast Brewery
• Parada Tipico - „El Choco"
• Hotel-Restaurant „Voramar"
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Mein erster Tipp liegt gleich um die Ecke, in unmittelbaren Nachbarschaft zu mir. Fast am Ende der Calle Dr. Alejo Martínez betreibt der sympathische Holländer Henk ein kleines 3-Sterne-Hotel unter dem Namen „Voramar". Mit angeschlossen ist ein Restaurant, welches vom aus Ostdeutschland stammenden Koch und Wirt Thilo persönlich geführt wird.
Auf der Tageskarte stand „Thai-Curry-Huhn mit Reis", was ich dann auch bestellte. Thilo nahm meine Bestellung persönlich auf, dabei kamen wir direkt ins Gespräch. Er lebt seit über 25 Jahren in Sosúa und hatte zuvor bereits in verschiedenen Restaurants gearbeitet, bis er die Möglichkeit bekam, dieses Restaurant zu pachten.
Die überwiegend deutschen Gäste des Hotels und Restaurants bevorzugen gewohnterweise eher traditionell deutsche Gerichte. Entsprechend „deutsch“ ist Thilos Speisekarte. Dennoch war sein „Thai-Curry“ überraschend lecker, wenngleich mir ein Hauch von Lemongras und etwas mehr an Chili-Schärfe fehlte. Auf jeden Fall war die Portion mehr als üppig und ich hatte Mühe nichts übrig zu lassen. Meine Vorspeise - eine schmackhafte Gemüsesuppe - war eigentlich überflüssig.
Gut vorbereitet, was Thilo's Portionsgrößen angeht, bestellte ich am nächsten Tag ein „Chili con Carne“ - diesmal ohne Vorspeise. Genau richtig. Serviert wurde wieder ein „Riesenpott“ mit einem wirklich feinen, gut gewürztem Bohnen-Rinderhack.
Man sitzt in diesem Hotel-Restaurant durchweg entspannt an kleinen runden Tischen zwischen Pool und Bar, die liebevoll mit Tischdecken und Kerzenlicht eingedeckt sind. Wer Live-Musik oder Karaoke mag, sollte Mittwochabends zum Dinner kommen.
Ein Duo aus einer Sängerin und einem Gitarristen spielen internationale Songs. Die nicht immer hundertprozentig getroffenen Töne tun der guten Stimmung aber keinen Abbruch - um so mehr nicht, wenn Karaoke angesagt ist, was aber gerade das Heitere an einer solchen Veranstaltung ist. Wer beim Essen gern TV sieht, findet im Voramar Live-Übertragungen von Bundesliga- und Champions-League-Spielen auf mehreren Großbild-TV's via Satellit. Alles in allem ein schönes Ambiente, das viele Wünsche erfüllt.
• Germany Bar & Grill Restaurant
Meine langen Fußmärsche durch das Städtchen Sosúa führten mich auf der Straße nach Cabarete stadtauswärts zu dem deutschen Restaurant, das im Hinterhaus auch eine kleine Metzgerei beherbergt, wo man sich auch kurzfristig mit traditionellen deutschen Konserven, wie Linsen- oder Bohnensuppe, aber auch Ravioli, Penne Arrabiata oder Fischkonserven eindecken kann, wenn man mal keine große Lust hat, den Gashahn aufzudrehen und selbst zu kochen.
Der haitianische Mitarbeiter spricht auch etwas Deutsch und ist sehr freundlich. Es liegt zwar direkt an der Hauptstraße, aber durch die offene Terrasse und die angenehme Brise sitzt man doch recht gemütlich und findet sicher den einen oder anderen Landsmann oder -frau, um sich über die Erlebnisse in der Karibik auszutauschen.
Außerdem kann man die Sehnsucht nach der Heimat, die so manchen doch irgendwann überkommt, mit Spezialitäten aus Germania, natürlich auch aus Bayern, ein wenig stillen und bei wirklich günstigen Preisen den Hunger mit ganz einfachem Rahmspinat mit Spiegeleiern und Kartoffelpüree, wie man es aus Omas Küche kennt, oder auch Schweinsgeschnetzeltem mit Nudeln für nur 460 Pesos (das sind derzeit ca. 7,60 Euro) etwas besänftigen.
Für Liebhaber von Schweinefleischgerichten und Kalorienbombenfans (die ich absolut nicht kritisieren möchte, denn ich zähle mich ab und zu auch dazu!) sind die geschmacksintensiven Käseschnitzel mit Kartoffelsalat zu einem guten Preis von 280 Peso, also ca. 4,60 Euro zu empfehlen. Da ist jeder anständige Burger bei dem amerikanischen Anbieter mit dem schottischen Vornamen, wesentlich teurer und satt wird man von EINEM sowieso nicht. Das war schon immer so und ich gehe schon seit einigen Jahren nicht mehr hin, weil die Ernährung nicht stimmt.
Ab und zu gibt es Pasta für 360 Pesos (knapp 6 Euro) auf der Karte, was im Preis-Leistungsverhältnis absolut gerechtfertigt ist. Für solche Preise bekommt man in Deutschland normalerweise nur beim Asiaten um die Ecke etwas.
Interessantes konnte ich bei einem erneuten Besuch feststellen: Gleich am Eingang, die kleine Treppe hinauf, findet links und rechts oft ein kleiner Flohmarkt mit dominikanischen und deutschen Ausstellern statt. Auch passable Qualitäten des traditionellen himmelblauen Larimar-Schmucks werden in verschiedenen Ausführungen angeboten. Auch Kosmetik oder Textilien. Ich habe einen schönen kleinen petrolfarbenen Badezimmerteppich ergattert, der sehr günstig war. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.
• Hotel Waterfront
Meine überaus freundliche, hllfsbereite und fürsorgliche Vermieterin gab mir den Tipp, sollte ich mal abends beim Dinner einen schönen Sonnenuntergang, also in neu-deutsch „Sundown“ erleben wollen, dann empfiehlt sich das Hotel Waterfront direkt an der Playa Alicia, also mit wunderschönem Blick auf´s Meer.
Nun schlendert man von unten kommend an der Calle Alejo Martinez Richtung Zentrum entlang, so ist irgendwann eine kleine Abzweigung etwas abschüssig rechts (links ist die Calle Dr. Rosen) am rot angemalten Hotel „El Rancho", wo es im Übrigen noch echt gute Thai-Curries gibt, vorbei in Richtung zur „Playa Alicia", das imposante Hotel Waterfront mit seinen schönen Terrassen von der man aus eine tolle Sicht über die Playa hat.
Nachdem ein guter Terrassenplatz gewählt wurde ging es an die Bestellung. Ich hatte während meiner Zeit in Santo Domingo mehrere excellente Restaurants besucht auch japanische (auf die wir später noch eingehen werden ) und mich nach einem feinen asiatischen „Tuna Tartar“ (566 Peso, ca. 9,40 Euro) gesehnt und bestellte dies auch und zum Hauptgang ein „Churrasco Risotto“ mit Pilzen, etwas Speck und Rinderfiletstreifen, knackig gebraten in cremigem Reis (938 Peso, ca. 15,60 Euro) ja komische ungerade Preise, aber da hier die Mehrwertsteuer noch oben drauf kommt, wird eben so seltsam ausgepreist.
Das Bohemia Bier hier, ein Cerveza aus Monterrey Mexico, ist ein süffiges Bier, das etwas intensiver im Geschmack ist wie das lokale Presidente, das es als normales Pilsener gibt, als „light“ oder als „Black", wobei das „Black“ kein, wie man vermuten könnte, Schwarzbier sondern nur ein etwas stärkeres Helles mit mehr Alkoholgehalt ist. Aber sehr schwierig zu bekommen. Ich habe mich für das Bohemia entschieden, das hier sogar mit einem Preis von 135 Peso (ca. 2,24 Euro) extrem günstig angeboten wird. In den meisten Hotels und Bars kostet es zw. 175 und 200 Peso.
Der rote Feuerball der Sonne verneigte sich bereits vor dem Meer, spiegelte sich atemberaubend im Wasser und lenkte mich von meinem bereits eingetroffenen „Tuna Tartar“ ab. Der Anblick dieser Vorspeise, auf die ich mich so gefreut hatte, trübte meine Laune, denn die wenigen rohen Thunfischwürfel waren auf einem dreimal so hohen kreisförmigen Reisbett angerichtet und natürlich nimmt der kalte Reis dem eigentlichen Fischgeschmack zu viel weg und passt in dieser Kombination absolut nicht dazu. Die angereicherte Tepanyaki-Sauce war in Ordnung, konnte aber geschmacklich und optisch diese Vorspeise nicht retten und war eine totale Enttäuschung. Man kann „Tartar Atun“ entweder nur in Würfelform servieren, auch mit rohem Ei, oder alternativ auf einem kleinen Bett aus Avocadowürfeln, nicht höher als 2 cm, das geht noch, aber das Reisbett war zu zwei Dritteln bestückt. Ein NO GO!
Das Risotto war geschmacklich in Ordnung und mit den Rinderstreifen (Churrasco) auch ein Augenschmaus. Die cremige Konsistenz passte, auch wenn für meinen Gaumen beim Anrühren etwas an Wein gespart wurde. Aber das Fleisch war sehr schön gebraten und auch die Käsemischung stimmte. Somit kann man das als positive Bewertung abhaken.
Nun noch ein zweites Bohemia für den restlichen Sonnenuntergang, der wirklich eine romantische Stimmung erzeugt, dann ein kleiner Verdauungsspaziergang und „Buenas Noches".
• Dolci & Sapori
Nachdem ich in der Stadt auch einmal richtig gut frühstücken wollte, erinnerte ich mich an eine meiner Schlendertouren entlang der „Pedro Clisante". In Richtung des Supermarktes „Super Pola“ liegt ein Lokal, dessen Menü-Aushang mir damals bereits ins Auge fiel. Mein leicht knurrendem Magen zog mich dorthin, denn die Speisekarte dieses Restaurants namens „Dolci & Sapori“ hatte mich sehr angesprochen.
Seit Oktober 2021 steht das „Dolci & Sapori“ unter neuer italienischer Leitung. Wenngleich der Name eher nach Caféhaus und Kuchen klingt - und tatsächlich sind dort auch zahlreiche Torten und Kuchen erhältlich - bietet das kleine und durchweg feine Restaurant auch ein Frühstückstisch sowie eine Mittags- und Abendkarte an.
Mit auf der Karte: „Tuna Tartar"! Ich nahm auf der Terrasse Platz und war gespannt, wie sich das Thunfischtartar hier präsentieren würde? Ich wurde nicht enttäuscht, denn es entsprach genau meinen Vorstellungen: viele Thunfischwürfel auf einem kleinen, runden Bett aus Avocadowürfeln. Das stimmte mich schon einmal fröhlich und als die Signale meines Gehirns bei meinem Magen ankamen, gab dieser augenblicklich Ruhe und hörte auf zu rumoren.
Nun schmeckte es auch entsprechend gut und der erste Teil des Frühstücks war schon einmal gelungen.
Nachdem ich nun ca. 3 Jahre in Ramat Gan bei Tel Aviv in Israel gelebt hatte und von den dortigen Gerichten, die zum Teil von den Palästinensern geklaut wurden (wie so vieles...), von Shakshuka begeistert war und ich genau DIESES Gericht auf der Karte des Dolci und Sapori fand, war für mich klar, dass ich es bestellen würde, denn meine Geschmacksnerven sehnten sich danach. Kurt Luis Hess, der gebürtige Erfurter und spätere jüdische Einwanderer, der die Siedlung gründete und als ehemaliger Landwirt und Schulleiter dafür sorgte, dass die Molkerei mit ihren Milch- und Käseprodukten bis heute beliebt und über Sosúa hinaus bekannt ist, hat auch die Gastronomie beeinflusst und so werden diese Gerichte auch hier angeboten. Shakshuka, was aus dem Arabischen übersetzt so viel wie „Mischung“ bedeutet, wird aus pochierten Eiern in einer dicken Sahnesoße aus Tomaten, Chili, Zwiebeln und Kräutern wie Petersilie, Koriander und anderen zubereitet und ist absolut köstlich.
Schon beim Servieren lief mir das Wasser im Munde zusammen und es war, wie ich es erwartet hatte, einfach köstlich. Der Cappuccino in dem Lokal ist für mich der beste in der Stadt und eben typisch italienisch.
Alles in allem war das Essen also ein Gaumen- und Augenschmaus und wird mich auf jeden Fall wieder hierher führen. Gut möglich, dass es mein Stammlokal wird.
• Parada Tipico - „El Choco"
Auf Empfehlung eines guten Freundes aus Oberbayern, der seit vielen Jahren mal mehr, mal weniger oft nach Sosúa reist, führte uns ein gemeinsames Abendessen ins „El Choco", kurz hinter Sosúa an der Hauptstraße nach Cabarete gelegen. Das Restaurant mit seinem ur-tropischem Ambiente wird seit 14 Jahren von dem Italo-Schweizer Marco Pompeo geführt. Sein Stellvertreter Beat Iseli steht ihm in Sachen Kompetenz und Gastfreundschaft in nichts nach, was sich im florierenden Gästebetrieb widerspiegelt und das „El Choco“ bei Einheimischen wie Touristen gleichermaßen beliebt macht - und dies gleich aus mehreren Gründen: Einmal bietet das offene, mit reichlich „Cana“ bedeckte Schilfdach ein herrliches karibisches Flair, das durch geschmackvolle Wandmalereien abgerundet wird und mit seinem rustikalem, absolut passenden Mobiliar eine Atmosphäre schafft, in der man sich sofort heimelig und gut aufgehoben fühlt.
Am Ende der Bar befindet sich ein weiterer, offener Raum, in dem dienstags von 17 bis 19 Uhr Live-Musik gespielt wird und der von tanzfreudigen Stammgästen stets gut besucht ist. Die engagierten Musiker, die über ein breites Repertoire von Salsa, Bachata, Merengue bis hin zu Pop- und Rockklassikern verfügen, haben ihr Publikum schnell auf ihrer Seite.
Wenn sich ein Schweizer irgendwo besonders wohlig fühlt, dann in einem Chalet wie in den Alpen. Wirt Marco nennt es „Schwyzer Stübli", eine mit viel Hütten-Holz und jeder Menge an typischen Original-Accessoires aus der Schweiz ausgestattete Gaststube, die auch für kleine Feiern gemietet werden kann.
Meinen guten Bekannten aus Oberbayern erkannte Marco direkt wieder und spendierte ihm sogleich eine Maß Weißbier und eine Weinschorle obendrauf für mich. Nach dem Essen, ich hatte herzhafte Käsespätzle mit Zwiebelringen, gab es obendrauf noch zwei Schwyzer Alpenkräuterschnäpse gratis. Das macht bei weitem nicht jeder Wirt...
Nachdem ich das „El Choco“ in durchweg positiver Erinnerung behalten habe, bin ich einige Wochen später mit einigen deutschen Freunden wieder hin und hatte ein Hühnchen-Cordon-Bleu mit Gorgonzola gefüllt an feiner Käserahmsauce, eingerahmt von einer Portion Reis und knackigem, frischen Gemüse, was einen absoluten Gaumenschnalzer in mir hervorrief. Phantastisch abgestimmt mit Gewürz und Sauce wging das schon Richtung Gourmet-Küche zu absolut erschwinglichem Preis. So weit ich mich erinnere, für etwa 550,- Peso (rund 10,- Euro).
Ein weiteres Mal waren wir dort - übrigens begrüßt und verabschiedet Beat, der jetzige Geschäftsführer, alle Stammgäste, die wir mittlerweile geworden sind, per Handschlag, was eine schöne persönliche Note ist - und ich bestellte Fisch. Genauer gesagt einen Mero an einer fruchtigen Chinola-Sauce mit Reis und knackigem Gemüse. Was serviert wurde war so etwas von lecker, dass ich es bestimmt später noch drei, vier mal gegessen hatte.
Nebenbei erfuhr ich, dass der dominikanische Koch des „El Choco“ in Barcelona gelernt und teilweise mit Tilo (dem Koch aus dem Voramar) zusammen gearbeitet hatte. Die Früchte dieser europäischen Ausbildung kann man nicht nur sehen, sondern in djedem Fall auch schmecken.
Kurzum, wer wirklich gut und preiswert essen möchte, sollte unbedingt einen Besuch in Erwägung ziehen, denn für mich ist das lukullisch das Beste, was man in Sosúa zu einem absolut erschwinglichen Preis bekommen kann.
• Cerveceria - North Coast Brewery
Zwei befreundete Biertrinker und somit Bierliebhaber beschlossen nach einem Bierfestival und einer Biermesse in Anlehnung an das Oktoberfest 2017 etwas Eigenes zu kreieren. Nachdem sie auf der Messe einen Braukurs besuchten, der Bierliebhaber dazu animieren sollte, für sich und Freunde ein eigenes Bier herzustellen, reifte immer mehr die Idee, daraus eine Geschäftsidee zu entwickeln, um hier in der Region Vorreiter zu sein. 2018 wurde eine große Lagerhalle angemietet und mit dem Brauen begonnen.
Gegenüber dem Supermercado „Super Pola“ in der kleinen Straße Calle Poema findet man nach 50 m diese Brauerei mit einem kleinen Food Court, wo Tacos und Snacks angeboten werden sowie eine kleine, einem Biergarten nachempfundenen Terrasse.
Die Karte bietet acht Biersorten in drei verschiedenen Gläsern mit unterschiedlichen Füllmengen.
Auf der sehr informativen Karte sind neben der Bierbezeichnung auch der Alkoholgehalt sowie IBU und EBC angegeben. IBU steht für International Bitterness Unit und ist eine von der European Brewery Convention (EBC) festgelegte Maßeinheit für die Bitterkeit von Bieren. Sie beschreibt auch die so genannten isomerisierenden Alphasäuren des Hopfens.
Das erste auf der Karte ganz oben, ein belgisches Blonde Ale nach Leffe-Art (immerhin satte 5,6% Alkohol), ist so süffig, hat eine fruchtig-hopfige Note mit wenig Bitterkeit, dass es unmöglich ist, bei einem zu bleiben. Man kann mich für verrückt erklären, aber ich habe am Glas gerochen wie an einem edlen italienischen Amarone (Rotwein) und dann erst genüsslich getrunken. Man steht ja auch auf zwei Beinen, wenn man kein Flamingo ist. Also wohlschmeckend ist noch untertrieben, ebenso wie das dunklere Indian Pale Ale, das mit 6,7% Alkoholgehalt das stärkste Fassbier im Angebot ist und das Herz eines jeden Biergourmets höher schlagen und die Leber erzittern lässt. Bei ein, zwei Gläsern besteht keine Gefahr, denke ich.
Die Holzbänke und Tische auf der Terrasse vor dem Lokal passen gut zum rustikalen Ambiente. Der kleine, voll klimatisierte Innenraum ist ebenfalls interessant möbliert und zeigt die acht Zapfhähne für die angebotenen Biersorten.
Die Herrentoilette diente bis vor kurzem noch ein halb aufgesägtes Bierfass aus Aluminium als Pissoir, was wohl nicht ganz den Hygienevorschriften entsprach und durch eine Porzellanschüssel ersetzt wurde.
Das Lokal ist leider sehr schlecht besucht, was wahrscheinlich auf mangelndes Marketing zurückzuführen ist - verdient jedoch eine höhere Gästezahl. Wenn der Chef da ist, kann man sich auch Flaschen der jeweiligen Sorte mitnehmen.
Wer Lust auf eine gepflegte Bierprobe hat, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und da es sich in einer ruhigen Seitenstraße befindet, ist auch eine Unterhaltung ohne laute Motor- oder Autogeräusche (besser gesagt Fahrzeuge, die bei uns keinen TÜV bekommen würden) durchaus möglich.
Der „Münchener im Himmel“ von Alfons Gondrell würde auf seiner Wolke sitzen und jauchzen: „Luja sog i, sacklzement halleluja, do muass i hi!“ In diesem Sinne: Saludo und Prosit! Hopfensaft macht Mut und gibt Kraft.
