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EIN MONUMENT IM HOCHLAND

Die Pirámides de „Valle Nuevo“ - Mittelpunkt des Landes?

Valle Nuevo, 20.01.2023  –  ein Beitrag von unserer Redaktion  –  948 mal gelesen

Wer von Constanza in Richtung San José de Ocoa fährt, verlässt allmählich die vertraute Karibik. Kiefernwälder säumen die Straße, Gemüsefelder ziehen sich über die Hänge, darüber liegen weite Bergketten in unterschiedlichen Grüntönen. Auf 2.250 Metern Höhe beginnt eine andere Welt – das „Valle Nuevo, offiziell Parque Nacional Juan Bautista Pérez Rancier.

Im Zentrum dieses Hochlands steht die sogenannte Pirámide Ciclópea Cuatriseccionada, geplant 1958 vom Architekten Julio A. Hernández (†2019). Das Monument besteht aus vier massiven, konisch zulaufenden Steinsegmenten, die im Inneren eine Kreuzform bilden. Eingeweiht wurde es am 1. Januar 1959 im Zusammenhang mit der Hundertjahrfeier von San José de Ocoa.

DomRep: Die Pirámides de „Valle Nuevo“ - Mittelpunkt des Landes?
Einst galt die Pyramide auch als eine Art „Dankeschön“ an den damaligen Diktator Rafael Trujillo für den Bau einer Straße, die Constanza und San José de Ocoa verbindet. Alte Fotos zeigen Bronzebuchstaben auf einer Seite der Pyramide: „An Trujillo, Ausdruck ewiger Dankbarkeit von San José de Ocoa und Constanza – 2. Dezember 1958. Nach dem Tod des Diktators im Jahre 1961 wurden die Buchstaben entfernt. Heute sind nur noch die Löcher im Fels zu sehen, wo sie einst angebracht waren.

Die bis heute verbreitete Behauptung, das Monument markiere den geografischen Mittelpunkt des Landes oder gar der Insel, ist hingegen nicht belegt. In der lokalen Überlieferung gilt das „Valle Nuevo“ als „Kilometer Null“ – als symbolischer Mittelpunkt des Landes. Allerdings existieren weder offizielle Dokumente noch historische Vermessungsdaten, die diese Behauptung stützen.

Rechnerische Analysen zeigen, dass der exakte Mittelpunkt anderswo liegt. Misst man jedoch die rund 72 Kilometer lange Verbindung zwischen Constanza und San José de Ocoa, befindet sich das Monument nahezu auf halber Strecke – etwa 35 Kilometer von Constanza entfernt. Die Legende dürfte sich daraus speisen.

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Was Besucher heute anzieht, ist weniger die Frage nach exakten Koordinaten als das Klima. In den Wintermonaten sinken die Temperaturen im Hochland regelmäßig auf fünf bis sieben Grad, mitunter darunter. In den frühen Morgenstunden liegt Nebel über den Hängen, auf den Pflanzen bildet sich Raureif – ungewöhnlich in einem tropischen Land.

Die Anreise erfordert Geduld. Von Santo Domingo sind es gut 140 Kilometer bis Constanza, von dort weitere 44 Kilometer über die Antonio-Duvergé-Straße. Der letzte Abschnitt ist nicht asphaltiert und verlangt geländetaugliche Fahrzeuge.

Valle Nuevo ist seit 1983 wissenschaftliches Reservat und seit 1996 Nationalpark. Seine ökologische Bedeutung ist erheblich: Hier entspringen zahlreiche Flüsse, darunter Nizao, Yuna, Ocoa und Río Grande. Mehr als 60 Vogelarten, Dutzende Reptilien- und Amphibienarten sowie bedrohte Säugetiere wie Jutía und Solenodon sind dokumentiert. Auch die Flora ist vielfältig; viele Arten werden traditionell als Nahrungs- oder Heilpflanzen genutzt.