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GRÜNDUNG EINER KOLONIE

Sosúa - das vergessene Exil jüdischer Siedler

Sosúa, 02.07.2017  –  ein Beitrag von der Redaktion  –  713 mal gelesen

Sosúa, der kleine Touristenort an der Nordküste der DomRep, hat neben seiner touristischen Bekanntheit eine Geschichte, die ihn einzigartig macht: Beginnend ab 1939 und während der 1940er Jahre wurde der Ort zur neuen Heimat für viele jüdische Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich, die vor den Schrecken des Holocaust flohen.

1938 fand im französischen Évian eine Konferenz statt, bei der 32 Länder über die Aufnahme jüdischer Flüchtlinge diskutierten. Die meisten Staaten verweigerten ihnen die Tür. Doch der dominikanische Diktator Rafael Trujillo, berüchtigt für seine brutalen Methoden, bot an, 100.000 Juden aufzunehmen. Hinter seiner Geste steckte Eigeninteresse: Trujillo wollte die Bevölkerung seines Landes „aufhellen“ und gleichzeitig sein internationales Ansehen verbessern.

DomRep: Sosúa - das vergessene Exil jüdischer Siedler
Am Ende kamen etwa 700 jüdische Flüchtlinge nach Sosúa. Sie waren meist aus Deutschland und Österreich geflohen, oft mit nichts als der Kleidung, die sie trugen. Die Dominikanische Republik wurde für sie zur letzten Hoffnung.

In der fruchtbaren Landschaft von Sosúa sollten die jüdischen Siedler Landwirtschaft betreiben. Viele von ihnen waren jedoch Akademiker, Ärzte und Künstler – anstelle von Pflügen hatten sie zuvor Stethoskope oder Pinsel in der Hand gehalten. Mit der Unterstützung dominikanischer Behörden und Hilfsorganisationen lernten sie, das Land zu bearbeiten. Bald wuchsen Zuckerrohr, Bananen und Gemüse auf den Plantagen. Neben der Vieh-, Milch- und Fleischwirtschaft waren sie im Laufe der Jahre auch in der Herstellung und im Handel tätig, z. B. mit Bambusartikeln, Zitronengrasöl, Möbeln, Matratzen, Arzneimitteln, Kunst usw.

„Es war ein harter Anfang“, erinnerte sich Luis Hess, der letzte Überlebende der ersten Siedler, anlässlich seines 100. Geburtstages im Jahr 2008. Die Hitze, die Sprache, die Kultur – alles war fremd. Aber die Freundlichkeit der Dominikaner half es vielen, Fuß zu fassen. Sosúa war lange Zeit eine „abgelegene“ Gemeinde, abgeschnitten vom Rest der Welt, aber autark. Trotz der anfänglichen Herausforderungen gelang es der jüdischen Gemeinde, eine enge Gemeinschaft zu schaffen. Sie errichteten:

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- ein eigenes Gesundheitssystem
- eine Klinik
- eine Apotheke
- einen Lebensmittelladen
- eine Schule
- eine Bibliothek
- eine Bank
- ein Theater
- eine Synagoge
- ein Hotel
- ein Restaurant
- eine Molkerei

Heute existieren noch:

• die Synagoge von Sosúa
Diese Synagoge wurde von den jüdischen Siedlern errichtet und dient bis heute als Ort des Gebets und der Gemeinschaft. Sie ist ein zentrales Symbol für das kulturelle Erbe der jüdischen Gemeinde in Sosúa.

• das Museum „Museo Judío de Sosúa
Dieses Museum befindet sich in einem der ursprünglichen Gebäude der Siedler und dokumentiert die Geschichte der jüdischen Einwanderer in der Region. Es beherbergt Artefakte, Fotografien und Dokumente, die Einblicke in das Leben der frühen Siedler geben.

• die Schule „Colegio Luis Hess
Die Schule wurde ursprünglich unter dem „Colegio Cristobal Colón“ errichtet und später nach Luis Hess umbenannt, der selbst 35 Jahre Landg an der Schule unterrichtete und später Direktor der Schule war. Die heutige Privatschule liegt inmitten von Sosúa an der Hauptstraße Calle Pedro Clisante.

• das Unternehmen „Productos Sosúa
Die von jüdischen Siedlern 1943 gegründete Molkerei und Fleischproduktfabrik existiert noch heute und produziert unter dem Label „Productos Sosúa“ weiterhin Milch- und Wurstprodukte, die in vielen Supermärkten der DomRep gelistet sind. Das Unternehmen ist ein lebendiges Zeugnis für den wirtschaftlichen Beitrag der jüdischen Gemeinde von Sosúa. Anfang 2004 hat die mexikanische Firma Sigma „Productos Sosúa“ erworben.

Während einige Siedler in Sosúa blieben und sich mit der dominikanischen Kultur verbanden, wanderten andere nach dem Krieg weiter, etwa in die USA oder nach Israel. Heute ist von der einst blühenden jüdischen Gemeinde nur noch wenig übrig. Die Synagoge und das kleine Museum erzählen ihre Geschichte, aber viele der Nachkommen der Flüchtlinge haben die Gegend verlassen.

Geblieben von damaligen Flair ist nicht viel. Heute ist Sosúa vor allem bekannt für sein quirliges Nachtleben. Doch die Geschichte der jüdischen Siedler hat das Städtchen geprägt. Viele Dominikaner sind stolz auf dieses Kapitel ihrer Vergangenheit, auch wenn die Erinnerung langsam verblasst. Die Geschichte der jüdischen Flüchtlinge in Sosúa erinnert daran, wie menschlicher Mut und Solidarität sogar in den dunkelsten Zeiten Licht bringen können – und wie eine kleine Stadt in der Karibik zu einem Hoffnungsschimmer für hunderte, deutsch-stämmige Juden wurde.